Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

NOFLATSCHER, Heinrich – SPRINGER, Elisabeth: Studien und Quellen zu den Beziehungen zwischen Rudolf II. und den bosnischen Christen

34 Heinrich Noflatscher — Elisabeth Springer men. Zusammen mit Bertucci, der auch wieder in Prag auftauchte, ver­suchten sie noch jahrelang, die Eroberung Clissas und die mit diesem Sig­nal einsetzende Volkserhebung der Christen gegen ihre türkischen Herren zu organisieren n). Diese Anführer waren schon im Juli 1596, also unmittelbar nach dem Verlust der Festung, in Prag. Sie wurden rasch an Erzherzog Ferdinand in Graz und an Lenkovich, Oberstleutnant der Militärgrenze, weiter­empfohlen, da sie dort ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden sollten* 12). Soweit aus den Aufzeichnungen der Hofkammer hervorgeht, hielten sich einzelne dieser Dalmatiner und Bosnier jedoch drei Jahre lang in Prag auf, da die Auszahlung der zugesagten Summen nur sehr schleppend erfolgte. Sie erhielten mehrmals kleinere oder größere Geld­unterstützungen. Dem Archidiakon Niccolö Alberti wurden 1597 100 fl. als Gnadengeld zugesprochen13); danach hören wir nichts mehr über seine Anwesenheit in Prag. 1597 tauchten zwei Franziskaner auf, die wegen der „Clisserischen Tracta- tion“ vom Hofkriegsrat David Ungnad 58 fl. 20 kr. im Namen des Kaisers erhielten14). Bei einem gewissen Franciscus Martinich (oder Martinéul) steht vermerkt, daß ihm die Hofkammer wegen seines bei Clissa erlittenen Schadens 60 fl. Gnadengeld und später nochmals 10 fl. auszahlte15); ein gleicher Betrag wird für Johann Stipancich genannt16). Um dieselbe Zeit — nämlich im Oktober 1597 — werden auch ein Marco und ein Vincenzo Stipan(c)ich erwähnt: Marco sollte 60 fl. rh. erhalten, um wieder nach Hause (?) reisen zu können 17 18). Vincenzo tritt gemeinsam mit dem Geistlichen Gioanni Siroucich auf; beide zusammen erhielten eine Ver­ehrung von 100 Talern 1S). Alle diese genannten Personen begegnen uns nur im Memorandum des Sirotkovich und in den Büchern der Hofkammer. Kapitän Zorzi Las- karis dagegen beschäftigte die Behörden verschiedener Staaten. Er be­hauptete, ein Angehöriger des berühmten byzantinischen Geschlechtes zu sein und wurde dementsprechend zuvorkommend behandelt. Die Agenten der Republik Venedig registrierten jedenfalls alle seine Aktivitäten. Ihren Berichten ist zu entnehmen, daß Laskaris im Mai 1596 in der Gegend von u) Haus-, Hof-, Staatsarchiv Wien (= HHStA) Ungarische Akten 356 fol. 256 r—259 r, abgedruckt bei Lopásié Spomenici n. 167 (nach einer Abschrift aus dem Kriegsarchiv). 12) Lopásié Spomenici n. 169. 13) HKA Hoffinanz Bd. 504 fol. 47 r. Vgl. die Memoranden des Niccolö Alberti in HHStA Ungar. Akten 356 fol. 260 r—265 r und 266 r—275 r, abge­druckt bei Lopásié Spomenici nn. 166 und 173. u) HKA Hoffinanz Bd. 507/508 fol. 280 r und 365 r. 15) Ebenda fol. 96 r und 302 r. 16) Ebenda fol. 302 r; Gedenkbuch 158 fol. 383 r. — Ivan Stipancich auch im Memorandum des Sirotkovich, abgedruckt bei Lopásié Spomenici n. 167. 17) HKA Hoffinanz Bd. 507/508 fol. 303 r; Gedenkbuch 158 fol. 384 r. 18) HKA Hoffinanz Bd. 507/508 fol. 303 r; Gedenkbuch 158 fol. 385 r.

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