Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
NOFLATSCHER, Heinrich – SPRINGER, Elisabeth: Studien und Quellen zu den Beziehungen zwischen Rudolf II. und den bosnischen Christen
32 Heinrich Noflatscher — Elisabeth Springer wunderung für die „Kaiserliche Majestät“ feststellen2). Unter diesem Aspekt werden auch die relativ engen Beziehungen zum Kaiserhof in der Zeit Rudolfs II. verständlich. Natürlich stand dahinter jeweils nur eine Partei der Bürgerschaft, während eine andere zu Venedig, eine kleine Gruppe wohl auch zu den Türken tendierte. Auch die Dominanz der Spanier in Unteritalien und somit in der südlichen Adria wurde von den westlichen Balkanvölkern entsprechend ausgenützt3). Im Jahre 1596 kam es zu einer großen Aktion um die Festung Clissa in unmittelbarer Nähe Spalatos. Dieses Ereignis ist in einer Vielzahl von Quellen erwähnt, und auch die ganze Vorbereitungsgeschichte ist erstaunlich gut belegt, so daß man an diesem Beispiel ablesen kann, wie Kaiser, Papst, König von Spanien und einige der italienischen Fürsten den dalmatinischen Adel bei seinem Aufstand gegen die türkische Herrschaft unterstützten, während Venedig mehr oder weniger offen den „christlichen Erbfeind“ begünstigte. Obwohl der erste Handstreich zur Eroberung der Festung gelang, war das Unternehmen als Ganzes ein totales Debakel. Trotzdem gaben einige der Anführer die Sache nicht verloren, sondern bereisten noch jahrelang die europäischen Höfe, um für das Projekt einer Eroberung Clissas und damit Wiedergewinnung Dalmatiens und Bosniens Unterstützung zu erhalten. In einem ersten Aufsatz zu diesem Thema 4) konnte über die bisher bekannten Tatsachen hinaus wesentlich Neues gebracht werden, vor allem bezüglich der Rolle Rudolfs II. Der vorliegende zweite Teil bringt die damals angekündigte Edition einiger der neu vorgestellten Dokumente “), sowie Nachrichten über die weiteren Schicksale einiger der Beteiligten. Diesbezüglich war vor allem das Material aus dem Hofkammerarchiv und aus dem Archiv des Malteserordens in Wittingau/Trebon sehr ergiebig. Neben dem Haupthelden — dem Malteserritter Francesco Antonio Ber- tucci — tritt nun auch sein Landsmann Matteo Gralini in den Vordergrund, dieser mehr Handelsmann und Nachrichtenübermittler, aber beide gleich in der Erfindung phantastischer Ideen, an Reisefreudigkeit und 2) Milan von § u f f 1 a y Die dalmatinische Privaturkunde in Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Kl. 147 (1904), 6. Abh. 24 f. s) Peter Bartl Der Westbalkan zwischen spanischer Monarchie und osmanischem Reich. Zur Türkenkriegsproblematik an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert (Albanische Forschungen 14, Wiesbaden 1974) passim. 4) Elisabeth Springer Kaiser Rudolf II., Papst Clemens VIII. und die bosnischen Christen. Taten und Untaten des Cavaliere Francesco Antonio Bertucci in kaiserlichen Diensten in den Jahren 1594 bis 1602 in MÖStA 33 (1980) 77—105; im folg. zit. Springer Bertucci. Als Nachtrag zu jenem ersten Teil sei hier vermerkt, daß die Autorin Frau Sonja Sapper-Scala für tatkräftige Unterstützung bei der ersten Rezeption des sehr krausen Italienisch der ausgewerteten Texte zu danken hat. 5) Entgegen den damaligen Ankündigungen mußte man sich wegen der Fülle des bisher unbekannten Materials auf eine repräsentative Auswahl beschränken. Die Edition ist im Wesentlichen die Arbeit von Heinrich Noflatscher.