Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

HAUPT, Herbert: Kulturgeschichtliche Regesten aus den geheimen Kammerzahlamtsabrechnungen Kaiser Josephs I. (1705–1711)

KULTURGESCHICHTLICHE REGESTEN AUS DEN GEHEIMEN KAMMERZAHLAMTSRECHNUNGEN KAISER JOSEPHS I. (1705—1711) Von Herbert Haupt Anders als in den allgemeinen Hofzahlamtsbüchern sind in den geheimen Kammerzahlamtsrechnungen nur jene Ausgaben verzeichnet, die der Kaiser unmittelbar aus den ihm persönlich zur Verfügung gestellten finanziellen Mitteln bestritt. Aufzeichnungen aus der kaiserlichen ge­heimen Kammer haben sich nur vereinzelt erhalten. Aus der langen Re­gierungszeit Kaiser Leopolds I. existiert nur ein einziges derartiges Rech­nungsbuch der geheimen Kammer aus dem Jahre 1669. Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, daß für die kurze Regentschaft Kaiser Josephs I. die jährlichen Kammerzahlamtsrechnungen vollständig vorhanden sind. Die acht Bücher tragen die Nummern 226 bis 233 in der Reihe der im Wie­ner Hofkammerarchiv aufbewahrten Hofzahlamtsbücher 1). Für die Rich­tigkeit der geheimen Kammerzahlamtsrechnungen zeichnete der Kammer­zahlmeister Joseph Anton Pilati von Tassul verantwortlich. Er ent­stammte einer alten Tiroler Adelsfamilie, die ihren Namen vom Stamm­schloß Tassulo im Valle di Non im Trientinischen herleitete. Joseph Anton bekleidete den Rang eines Hofkammerrates. Kaiser Joseph I. nahm ihn 1705 in den alten Ritterstand der österreichischen Erblande auf und ver­lieh ihm mit Diplom vom 9. August 1710 die Reichsfreiherrnwürde* 2). Als geheimer Kammerzahlmeister erhielt Joseph Anton Pilati von Tassul eine Besoldung von 200 Gulden pro Quartal. Der Aufbau der benützten Kammerzahlamtsrechenbücher ist bei allen im wesentlichen der gleiche. An der Spitze steht der Empfang. Er stammte aus dem kaiserlichen General-Hofzahlamt und betrug pro Monat an Bar­geld beziehungsweise an den „bayerischen Gefällen“ 10.000 Gulden, wozu noch aus dem Wienerischen Stadt-Banco wegen des übernommenen kai­serlichen „Mehl-Aufschlags“ 3.000 Gulden hinzukamen. Im gesamten stan­den der kaiserlichen geheimen Kammer demnach 156.000 Gulden im Jahr zur Verfügung. Dieser Betrag blieb während der sechsjährigen Regierungs­zeit Kaiser Josephs I. unverändert. Den zweiten Teil der geheimen Kam­') Vgl. dazu Christian Sapper Die Zahlamtsbücher im Hofkammerarchiv 1542—1825 in MÖStA 35 (1982) 404—455, bes. 416. 2) Über ihn Constant von Wurzbach Biographisches Lexikon des Kai­serthums Oesterreich 22 (Wien 1870) 284—289, bes. 288.

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