Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

DIENST, Heide: Niederösterreichische Pfarren im Spannungsfeld zwischen Bischof und Markgraf nach dem Ende des Investiturstreites

1130 seine Frau Erelindis ihren gesamten Besitz in Eggenburg an Kloster­neuburg12 * * 128), die Witwe des jüngeren Erchenbert (?), Freuza, gab eine Hufe zu (Lang)Enzersdorf129). Erchenbert hieß auch einer der Brüder des Klosterneuburger Kanonikers Opold; er erhielt gemeinsam mit seiner Frau Hazicha auf Lebenszeit den Nutzgenuß des im Tauschwege von Melk erworbenen Gutes Rietendorf, das einen beträchtlichen Umfang gehabt haben muß, wenn man den Verkehrs­wert bedenkt. Das Ehepaar scheint kinderlos gestorben zu sein; zur Zeit Propst Marquards (1140/41-1167) fiel der Besitz an das Stift130). Vermutlich besteht eine Verwandtschaft zwischen dieser Familie, den Garser Burggrafen und der Familie des Anshalm, Sohn des Azzo von Hetzmannswiesen, der seit der Ausbildung der Zwettler Urgeschichte für den Ahnherrn der Kuenringer gehalten wird. Man wird vielleicht annehmen können, daß Hazicha eine Tochter des Azzo war und somit Schwester des Anshalm. Beweisen läßt sich allerdings nichts, eine Verwandtschaftstafel ist ohne unzulässigen Einsatz von Phantasie nicht zu erstellen. Wie dem auch sei, es hat sich jedenfalls gezeigt, daß im Gebiet der Mutter­pfarren (Wolf) Gars (- Eggenburg) und Pölla landesfürstliche Präsenz nicht bestritten werden kann. Die Erbauung der Garser Burg dürfte kurz nach der Zerstörung der slawischen Burgsiedlung auf der Schanze oberhalb von Thu- nau unter Anführung des Babenbergers Leopold (t 1043, begraben in Trier) erfolgt sein131). Die babenbergische Geschichte reicht in Gars also bis 1041, dem Jahr der Zerstörung, zurück. Die überlebende Bevölkerung wurde zu ei­ner Umsiedlung gezwungen und vollends christianisiert. Dieser endgültigen Eroberung war bereits eine erste feindliche Auseinandersetzung vorangegan­gen132). Der Ortsname Gars, vermutlich von slaw. gorica = Berg abzuleiten, wurde von den Eroberern übernommen und auf die im Norden neuerrichtete Burg übertragen132 a). Niederösterreichische Pfarren im Spannungsfeld zwischen Bischof und Markgraf 35 12S) FRA 2/4 n. 72, Zeugen: „Theodricus, Pertoldus Adaelbero, Pertoldus, Adalbero [wohl irrtümliche Zweifachschreibung der beiden letzten Namen?], Sigefridus“; dazu Karl Lechner Geschichte der Besiedlung und der ältesten Herrschaftsverteilung in Heimatbuch des Bezirkes Horn 1 (1933) 279, 281; Drabek Waisen 293f. 129) FRA 2/4 n. 611 (1186-1192), Zeugen: „Herman de Reidenprunnen, Wolfrat de Egnenpurch, Odlrich et Rodolf de Cigeisdorf, Wesgrim et Hirzman de Encinesdorf, Eberhart de Wecelendorf, Rodger de Neunburch“. 130) FRA 2/4 n. 117 (1117?, vgl. FRA 2/4 n. 22ff, BUB 4/1 n. 618), Zeugen: „germani Opoldi Albertus, Hartwicus, Pilgrimus, Wichard de Modilhalmisdorf, odüschalch, Hűgo Mitmunde ministerialis marchionis, Ebirman, Sevrit ministeriales abbatis“, Meinhard von Traiskirchen. Weitere Belege über die Familie des Opold bei Rill Pröpste 132 Anm. 1. m) Friesinger Das südöstliche Waldviertel 79ff; zu Leopold Dienst Tradition 69 f; vgl. auch Michael Mitterauer Formen adeliger Herrschaftsbildung im hochmit­telalterlichen Österreich in MIÖG 80 (1972) 307 ff. 112) Friesinger Das südöstliche Waldviertel 79. 132 a) Über die Deutung des slawischen ON Gars besteht keine Übereinstimmung; er könnte von dem PN Gorek (HNOB 2 G41, nach Steinhäuser) oder von Gorica (= Berg, so Friesinger Das südöstliche Waldviertel 80, nach Kronsteiner) abgeleitet 3*

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