Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

KLEINMANN, Hans-Otto: Die österreichische Diplomatie und die Anerkennung der amerikanischen Staaten

190 Hans-Otto Kleinmann geschlossen werden können. Zur Aufnahme konsularischer Beziehungen mit den Vereinigten Staaten fand sich der Wiener Hof ebenfalls nicht bereit, wie sie Franklin durch Vermittlung des französischen Außenministers dem kai­serlichen Botschafter in Paris anläßlich der Aufbringung eines ostendischen Kauffahrteischiffes durch nordamerikanische Kaper im Frühjahr 1781 vorge­schlagen hatte, damit beide Parteien gegenseitig ihre handelspolitischen und seerechtlichen Interessen wahmehmen könnten59). Denn Konsuln wurden österreichischerseits als öffentliche Funktionäre der Regierung betrachtet, deren Bestellung und genehmigte Tätigkeit die völkerrechtliche Anerkennung des neuen Staatswesens bedeutet hätten. Den politischen Hauptzweck des nordamerikanischen Antrags hat die Wiener Regierung denn auch darin ge­sehen, Österreich zu veranlassen, wie Starhemberg, der bevollmächtigte kai­serliche Minister in den belgischen Niederlanden, an Mercy schrieb, „die Un­abhängigkeit der Vereinigten Colonien anzuerkennen, was doch aus der Sen­dung eines Konsuls hervorgehen würde“60). Über die Notwendigkeit und die wirtschaftlichen Vorteile einer Handels Ver­bindung mit Nordamerika und der Etablierung von Konsuln in den Häfen der Union war man sich dabei völlig im klaren, namentlich was den Handel der österreichischen Niederlande betraf61). Es waren auch vor allem die wiederholten Eingaben und die Projekte interessierter niederländischer Han­delskreise, die es der kaiserlichen Regierung dringlich erscheinen ließen, we­nigstens auf inoffiziellem Wege sowohl in Unterredungen Starhembergs mit Lee zu Brüssel als auch beim Besuch Kaiser Josephs II. im Haag 1782 über den dortigen amerikanischen Geschäftsträger John Adams dem Kongreß zu erkennen zu geben, daß Österreich dem Abschluß eines Handelsvertrages mit den Vereinigten Staaten wohlwollend gegenüberstehe62). Die österreichische Diplomatie handelte dabei in der Absicht, die Zeit zu überbrücken und die bestehenden vagen Kontakte zu amerikanischen Vertre­tern zu nutzen, bis man, „was das Schicksal der Colonien betrifft“, wie Kau­nitz an Starhemberg schrieb63), Klarheit gewonnen hätte. Die ausdrückliche Anerkennung der Kolonien als freie, souveräne und unabhängige Staaten sei­tens Großbritanniens im Frieden von Paris am 3. September 1783 schuf zwar die völkerrechtliche Voraussetzung für die Anerkennung durch Österreich und für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen, für die - wie die ent­sprechenden Formulierungen lauteten - „baldthunlichste Schliessung eines 59) Ebenda 44f; Friebei Österreich und die Vereinigten Staaten 45f. 60) Schreiben von 1782 März 31 nach Schiitter Beziehungen Österreichs zu Ame­rika 45. 61) Friebel Österreich und die Vereinigten Staaten 80ff und 90f; Schiitter Be­ziehungen Österreichs zu Amerika 45; Benna Österreichs erste diplomatische Vertre­tung 216 ff. 62) Friebel Österreich und die Vereinigten Staaten 46 und 47 Anm. 1. 63) Schreiben von 1782 Aprü 13 nach Schiitter Beziehungen Österreichs zu Ame­rika 46.

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