Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)
AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag
Kundschaftsberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532 171 ANHANG 1. Anonymer Berichterstatter an Hans Ungnad 1532 Juni 28. HHStA Wien, ME A RT A 6a/2, föl. 191 rv, zeitgenössische Kopie1). Der von Peter Pérény zurückgekommene Diener des Anonymus berichtet über die Ankunft des Sultans in Belgrad und die Vorbereitungen des Heeres für den weiteren Vormarsch nach Wien. Wolgebomer her lanndthauptman!a) Mein diener ist von Brinpetter2) heimkomen mit warhafftiger anzeig, wie der turckisch keyser an Sant Johanstag [24. Juni] zu Kriechi- schen Weissenburg ankommen sey unnd ime die heuptleuth daselbst ein uberauß grosse frowdenfeur, daruff bey tausent fuder holtz gangen, angezundet haben. Mer zeigt er mir an, das der keiser all sein geschutz auff dem wasser herauff biß gein Mahatzsch furen lassett, darunter er hat vast vil morser mit seinem fumemmen dermassen zu Wien der zu geprauchen, wie er vor Rodis gethan hat. Es hat auch der turckisch keyser bey achttausent bupffel oder tauerochssen herustrei- ben lassen, die buchssen, so uff dem wasser körnen, uff dem lanndt weitter zu furen; diselb buffel ligen itzo im Simpfferboden3). Bey Essek hat der keyser über die Anne4) schlagen lassen bey 18 brücken, yeder bey 14 taum eien breidt, bis gein Offen; dan die brücken, so der keyser über die Trae geschlagen, hat on widerumb lassen auffheben, biß so lang sein volck dahin auch kommen wirde. An den ennden weilent löblicher gedechtnus konig Ludwig ist umbkom- men, ist auch ein bruck gemacht, so gleffic5), das ein pfennig dardurch nit fallen mocht. Es hat auch der keyser verordent zwen wascha, also wan er mm vor Wien ankommet und da 14 tag gelegen, haben dan dieselb zwen wascha bevelch, sind herauß uff das windisch land zu lassen, proviandt darauß zu nemen, dieselb zum keyser von [!] Wien zu senden. Sollichs hab ich euch im besten anzeigen wellen. Gegeben in eyl den 28. Juny anno 1532. und von Güns abzog. Fessler-Klein Geschichte 3 456 gibt fälschlich an, daß sich Süleyman vom 10. August bis zum 16. Oktober vor Güns aufgehalten habe. Die Belagerung dauerte vielmehr vom 6. (Ankunft Ibrahims) bis zum 29./30. August (Aufbruch Süleymans) 1532: Kupelwieser Die Kämpfe Österreichs 84-89; ebenso Hammer- Purgstall Geschichte 2 88. Am 30. August verfaßte Juriöic einen Bericht an Ferdinand: Des Türcken erschröckliche belegerung der stat und Schloss Günss und des selben nach zwelff verlom stürmen abzog (o. O. 1532, österreichische Nationalbibliothek 31. V. 70) und HHStA Hungarica 21 fol. 22/2, 22/3r-6v (in lateinischer Sprache) ediert bei: Johann Goebel Beiträge zur Staatsgeschichte von Europa (Lemgo 1767) 303-318. M. Rosnak Die Belagerung der königlichen Freystadt Güns im Jahre 1532 (Wien 1789). Vgl. auch Turetschek Die Türkenpolitik 324-328. “) Von einer Hand der Mainzer Kanzlei New zeittung des Turcken ankunft betreffend, presentatum per regem Ferdinandum 6. Julü [1532]. 2) Abschriften dieses Berichtes finden sich in fast allen Archiven, die Reichstagsakten außewahren, u. a. im Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau 270/8 fol. 298rv, ebenda, Kurbayem Äußeres Archiv 3150 fol. 171 r-172v, im Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Reichstagsakten 16 fol. 381 rv. 2) Peter Pérény (vgl. oben Anm. 45). Die im Anhang vorkommenden Ortsnamen wurden bereits im Text mehrfach erklärt. 3) Gemeint sind die Sumpfgebiete zwischen Donau und Drau in der Nähe von Mohács. *) Damit kann nur die Save gemeint sein. 5) Wohl abzuleiten von ,,Klaffen“ (spalten, Einschnitte machen), hier am besten: gebaut, zusammengefügt; vgl. Jakob und Wilhelm Grimm Deutsches Wörterbuch (Leipzig 1873) 5 Spalte 893.