Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

172 Rosemarie Aulinger Landhauptman in Steyer Hans Vngnads ist dise schrift von dem kuntschaffter zu- kommen, welche ehr furtter der ko. Mt. allhie uberschicket. 2. Niederschrift eines mündlichen Berichts desselben anonymen Kundschafters an Jo­hann Katzianer in Preßburg (1532 Juni 29) HHStA Wien, ME A RT A 6 a/2, fol. 192r-193v, zeitgenössische Kopie1). Abreise des Kundschafters am 27. Juni aus Fünfkirchen. Ankunft des Sultans am 21. Juni in Smederevo. Angaben über die Stärke und die Ausrüstung des Heeres, die Geschütze und die Munition. Gesandte Ferdinands, die in NiS angehört wurden, sollen in Belgrad freigelassen werden. Angebliches Verbot Ibrahim Paschas, die Gebiete Zäpolyas zu plündern. AJcindschi als Vorhut nach Österreich, Ziel des Unternehmens ist sicherlich Wien. Interesse des türkischen grabmeisters an den Befestigungen der Stadt, die man ähnlich wie Rhodos einnehmen will. Der kuntschaffter, der in disem beygefertigten schreiben benent, und den die ro. ko. Mt. erkent, ist den 29. tag Junii zu Breßburgk umb 7 ur nach mittag zu dem obersten veldhauptman, herrn Hansen Caltzianer [!], ankommen und saget wie hernach volgt: Das er den 27. tag dieß monats Juny zu Funffkirchen außgezogen, der hat in den ver­gangen Pfingstfeyertegen [19./20. Mai 1532] seiner diener zwen gegen dem turckischen keiser under äugen geschigkt, die haben geferlicheit halben nicht weitter ziehen mögen dan biß gein Zendree oder Medra genant, daselbst haben sie des turischen [!] keysers ankunfft er[war]tet; der ist daselbst zu Zendree den 21. tag Juny ankommen, seind mit dem keyser biß gegen Scharnaw2) zogen, ist zwo meil von Kriechischen Weissenburg. Sagen, daß er mit merer anzal volcks, dan er des vergangen 29. jars vor Wien gewest, itzt im anzug sey, doch hab er vast vil ungerust gesindt, die do nicht bewhert, allein was die grenitzleuth seindt unnd die ganischern“) 3); das ander gesind sey alles gar unbewert und unstreittbar. Sie sagen auch, das sy auff den lannden gesehen haben und gezelt, das er biß in 400 stuck buchssen, doch allein uff zweien redern unnd veldgeschutz, das eines huneney ungeverlich ein wenig grosser oder deiner schiessen, mitfuren über lanndt; was er aber für geschutz unnd muníción uff den wasser hab, hetenb) sie nicht sehen mögen. Haben aber nicht erfragen mögen, das ein sonder grosse anzall sey, doch können sie nicht wissen, wyvil des vorhanden ist; wes der Turck für macht uff dem wasser hab, haben sie kein wissen. Seind allein mit dem here, das uff dem land sey, zogen. Sovil sie sich erkundigen haben mögen der botschafft halben, so sey inen angezeigt worden, der keyser hab der ro. ko. Mt. botschaft zu Nyß verhört und sie gegen Krichi- schen Weyssenburg geschafft, da well er inen sein here zeigen und von dannen wi- derum anheim abfertigen. Sein diener haben der ro. Mt. botschafft mit äugen gesehen. Sie sagen, der Imbry4) Wascha hab berueffen lassen, das der Turgken kriegisch volck in Hungern niemant nichts nemmen sollen, wes dem Weyda gehorsam sey, biß sie zu konig Ferdinanden gehorsam kommen. So hat gedachter kuntschaffter den andern kuntschafftem sein heimlich Wortzeichen geben hiebeyligend, der hat inen darauff bevolhen, der ro. ko. Mt. von seinetwegen an­zuzeigen, das er inhalt seines jüngsten schreybens dem herrn Bathor Andraß5) gethan, a) oder ganicherm. - b) korr. aus hab ten. *) Abschriften dieses Berichtes finden sich in fast allen Archiven, die Reichstagsak­ten aufbewahren: vgl. Anm. 1 zum Schreiben des anonymen Berichterstatters von 1532 Juni 28. 2) Nicht näher identifizierbar, heute vermutlich zu Belgrad gehörend. 3) Der Kundschafter meint damit die Janitscharen. 4) Ibrahim. 5) Dieser Bericht ist nicht erhalten. Vgl. aber das Schreiben Andreas Bäthorys an König Ferdinand, 1532 Juni 26, in HHStA Hungarica 20, fol. 78r-80v, bes. 79r.

Next

/
Oldalképek
Tartalom