Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532 169 ches Kontingent bewilligt"). Neben den Differenzen um die Ausrüstung des Heeres und die Möglichkeit einer Erhöhung der Türkenhilfe, um die Ausfälle zu überbrücken, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und den Protestanten, die sich zunächst weigerten, die von ihnen geforderten Mittel bereitzustellen. Aber auch Bayern und Bischof Christoph (von Sta­dion) von Augsburg sprachen sich gegen die sofortige Aufstellung der Trup­pen aus, es sei denn, die Türken griffen Deutschland und Ungarn an99a). Dies dürfte der Hauptgrund gewesen sein, weshalb man über die Rüstungen und das persönliche Vorgehen Süleymans immer wieder Kundschafterberichte verlas, um den Reichsständen deutlich die Gefahr vor Augen zu führen. Nach langen und schwierigen Verhandlungen einigte man sich schließlich, wobei jedoch der Kaiser in fast allen Punkten nachgeben mußte; zum obersten Feldhauptmann wurde Pfalzgraf Friedrich99 100) bestimmt, das Heer sollte nur solange beisammen bleiben, bis man einen Frieden erlangt habe oder der Sultan aus Ungarn abgezogen wäre101); die Verproviantierung fiel Karl und Ferdinand selbst zu, da ihre Gebiete näher am Kriegsschauplatz lagen102). Wie wir gesehen haben, waren die am Reichstag in Regensburg und auch beim Religionsgespräch in Nürnberg vorgelegten Kundschafterberichte von großer ideeller Bedeutung: Wenn sich auch nur eine unzureichende Beschäf­tigung mit diesen Berichten nachweisen läßt, sie büdeten einen wesentlich größeren Faktor in den Verhandlungen, als es auf den ersten Blick vielleicht scheinen mag103). Auf die zunächst eher reservierte oder ablehnende Haltung ") Etwa 35.000 Mann: vgl. Turetschek Die Türkenpolitik 281-295. 99 a) Bayern sprach sich vor allem dafür aus, daß zunächst nochmals ein Ausgleich zwischen Zápolya und Ferdinand versucht werde; man meinte, dadurch könne auch Süleyman von seinem geplanten Angriff auf Ungarn bzw. auf Deutschland abgebracht werden (vgl. u. a. Stadtarchiv Augsburg Literalien 1532: Bericht der Gesandten von 1532 Mai 16). Aber auch der Wunsch vieler Reichsstände, besonders der geistlichen Reichsfürsten, nach Verminderung ihrer Anschläge (Abgaben für die Türkenhilfe) ließ die Aufstellung eines schlagkräftigen Reichsheeres zunächst kaum möglich erscheinen (vgl. u. a. Staatsarchiv Marburg Politisches Archiv 291 fol. 86-88: Bericht der Hessi­schen Gesandten Rudolf Schenk und Nikolaus Mayer an Landgraf Philipp von 1532 Mai 18). i°°) Friedrich war bereits 1529 Oberbefehlshaber des Reichsheeres gewesen, wobei er nicht unbedingt zur Zufriedenheit aller (insbesondere die Verteidiger Wiens warfen ihm allzu großes Zögern, ja sogar Unfähigkeit vor) operiert hatte: vgl. dazu Hum­melberger Wiens erste Belaqerunq 7, 25f und 30; Turetschek Die Türkenpolitik 118ff, bes. 126. i°i) Westermann Die Türkenhilfe 112. Man wollte vermeiden, daß das Reichsheer von Ferdinand für die Eroberung Ungarns (im Kampf gegen Zápolya) verwendet wer­de. 102) Ebenda 113. Dazu kamen noch u. a. Bayern, Salzburg und Augsburg. Zum Proviantmeister wurde schließlich nach langen und schwierigen Verhandlungen der Bischof von Passau (Herzog Ernst von Bayern) bestellt: vgl. Hauptstaatsarchiv Mün­chen Kasten blau 270/8 fol. 398r-425r (u. a.). i°3) yor allem in der Korrespondenz der protestantischen Reichsfürsten und Reichsstädte wird über die Berichte gesprochen und die Gefahr erkannt: u. a. Staats­archiv Marburg Politisches Archiv 292 fol. 23r-24r (Bericht Dr. Feiges an Philipp von

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