Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)
AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag
168 Rosemarie Aulinger Die einzigen Kundschafterberichte, auf die die Stände expressis verbis in ihren Gutachten eingehen, wurden am 21. und 23. Juni verlesen95): „Die newe zeittung, so an gestern für gemeinen stenden von wegen E. k. Mt. verleßen, dergleichen E. k. Mt. gesandten Werbung haben gemeine stendt gehört“96). Die Stände bezogen sich also in keiner ihrer Stellungnahmen an den Kaiser auf den Inhalt der Berichte direkt, dennoch scheint deren Eindruck die gewünschte Wirkung gehabt zu haben, und die Bewüligung der Hüfe wurde dadurch beschleunigt, jedoch die Hilfskontingente nur zum Teil vergrößert97 98). Auf die Angst der Ungarn, man könnte wieder einmal im Deutschen Reich schlafen und sie dadurch dem Türken endgültig preisgeben, reagierten sowohl die Reichsstände als auch der Kaiser; man beschloß, an die ungarischen Stände einen Trostbrief auszusenden, der das Volk beruhigen sollte und gleichzeitig Hilfe des Reiches in Aussicht stellte: Der Kaiser habe dem Reichstag „glaublich“ anzeigen lassen, daß der Sultan in eigener Person und mit einem großen Heer gegen Ungarn und Deutschland ziehe. „Derhalben sich hochgedachte key. Mt. dem almechtigen zu lobe unnd gemeiner Christenheit zu gutem, dem tirannen, dem Turcken, widerstandt und gegenwher zu thun underfangen unnd zu solichem widerstandt und gegenwher gemeyne reichsstende teut- scher nacion umb ein eylende hilff angesucht hat, welche auch Seiner key. Mt., euch unnd gemeiner Christenheit zu trost bewilligt unnd zugesagt worden, unnd dieselben zum furderlichsten bereit zu machen, in teglicher ubung steet; und ist mit vleiss pittend, ir wellet euch auf die gemelte bewüligte hilf tröstlich halten und euch als from christenliche erliche stende von unserm heüigen christlichen glauben nit abwenden lassen, sonder dem Turcken mit allem vermögen, wie euer voraltern zu mermaln ge- than haben, mit tröstlicher gegenwher erzeigen, wie ir solichs dem almechtigen Gott, seinem heiligen glauben, euerm vatterland unnd euch zu thun schuldig seyet“ 9S). Die Reichsstände versuchten zunächst, den Großteil der Hüfstruppen und deren Versorgung auf KarlV. abzuwälzen, was dieser jedoch durchschaute und nur zur Stellung der Hälfte der Zahl der Soldaten für sich selbst bereit war; auch von Ferdinand und dem böhmischen Landtag wurde ein ansehnli11. August ebenda 413ff n. 202. Vgl. auch Gottlob Engelhaaf Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert bis zum Augsburger Religionsfrieden 2 (Stuttgart 1892) 223. 95) Es handelt sich dabei um die lateinische Kundschaft vom 21. Juni und den Bericht des Johann Lenzei (vgl. oben S. 158 mit Anm. 53 und 54). 96) MEA RTA 6 a/2 fol. 179rv: Gutachten der Stände von 1532 Juni 24 insbesondere über die Besatzung der Stadt Wien und die Versperrung von Pässen und Straßen in Ungarn. 97) Eine gute Zusammenfassung über die Verhandlungen am Reichstag zu Regensburg bietet Westermann Die Türkenhilfe 70ff. Vor allem Nürnberg erklärte sich bereit, sein Hilfskontingent zu erweitern und es überdies noch vor allen anderen Reichsständen dem Kaiser nach Regensburg zuzusenden: vgl. u. a. Stadtarchiv Augsburg Literalien 1532 zu Juni 28 und Juli 3. Auch Augsburgs Mannschaft traf noch vor Ende des Reichstags in Regensburg ein: ebenda zu Juli 3 und 6. 98) MEA RTA 6 a/2 fol. 167r (deutsches Konzept). Die lateinischen Fassungen des Trostbriefes haben in etwa denselben Inhalt, aber verschiedenen Wortlaut: ebenda fol. 168rv (undat. Konzept, erstellt durch die Stände) und fol. 176rv (Wortlaut des am 22. Juni verlesenen endgültigen Textes). Dieser Trostbrief wurde auf Wunsch des Kaisers an die Stände Ungarns, Siebenbürgens, Mährens und Kroatiens gesandt.