Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)
AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag
Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532 167 rung der Ortschaften von großer Bedeutung war. Diese Grenze verschob sich nach den Kriegen 1541 bzw. 1566 weiter nach Norden. Wie verhielt sich nun 1532 der Reichstag den Kundschafterberichten gegenüber? Die ersten dieser Berichte waren nur dem großen Ausschuß verlesen worden, durch dessen Mitglieder zweifellos auch die übrigen Reichsstände von der drohenden Türkengefahr erfuhren. Die Antworten an den Kaiser sind aber zunächst ausweichend und nur auf die Höhe der zu leistenden Türkenhüfe bezogen. Man sprach über die Möglichkeit, die Schweiz, aber auch andere europäische Staaten um Hilfe zu bitten; Karl V. verfaßte sowohl an die Eidgenossen, als auch an Franz I. und Heinrich VIII. Bittbriefe, die jedoch abgelehnt wurden92). Nur beim Papst stieß man nicht auf taube Ohren: Clemens VII. bewilligte Geldmittel für die Ausrüstung von 10.000 ungarischen Reitern, die z. T. unter der Führung von Paul Bakié und Valentin Török standen und schließlich den letzten entscheidenden Schlag gegen das Heer des Kasim-Beg am Steinfeld bei Wiener Neustadt führten93). Für den Papst war diese Hilfe so bedeutend, daß er sogar seinen Neffen Ippolito de’ Medici als Sonderlegaten mit dem Geld ins Reich sandte, der auch über die Ausrüstung zu wachen hatte; der ursprünglich für ihn vorgesehene Oberbefehl wurde aber zurückgenommen94). 92) Die Kredenz des Kaisers an die Eidgenossen von 1532 Juni 17: ME A RTA 6 a/2 fol. 176rv. Über die Werbung durch Jakob Sturzei und Eck von Reischach auf dem Tag zu Baden vgl. Die Eidgenössischen Abschiede aus dem Zeitraum von 1529 bis 1532 (Amtliche Sammlung der älteren Eidgenössischen Abschiede IV/1 b, Zürich 1876) 1376ff, 1386ff und 1420 (Ablehnung einer Hüfe durch die Schweizer Orte). Zum Versuch des Kaisers, von Franz I. und Heinrich VIII. Hilfstruppen gegen die Türken zu erhalten, vgl. u. a. die Instruktion für Gérard de Rye (Ru), Sieur de Balangon, von 1532 April 3: HHStA Staatenabteilungen Frankreich Weisungen 5 fol. 253-261, gedruckt bei Charles Weiss (Ed.) Papiers d’état du Cardinal de Granveile 1 (Collection des documents inédits de France premiere série, Paris 1841) 601 ff; die Antwort des Königs (er werde nur dann Geldmittel zur Verfügung stellen, wenn die Türken auch Italien angreifen sollten) ebenda 611ff von 1532 April 28. Nach England entsandte Karl V. Philibert de la Baulme, Baron de Montfalconet: Instruktion von 1532 April 4 in HHStA Staatenabteilungen England Weisungen 6 fol. llr—16r. Antwort König Heinrichs V1H. von 1532 Mai 2: ebenda Hofkorrespondenz 1 fol. 9. Über diese Gesandtschaften berichten u. a. der päpstliche Legat Lorenzo Campeggio am 16./17. April 1532 an Salviati in Rom (Nuntiaturberichte aus Deutschland Erg. 2 n. 157, bes. 148): „Alii 5 del presente S. Mta sped! Balanson in Francia et Falconetto in Anglia. Mi mandorono a mostrar l’instruttione di Balanson, della quäl dimandavo una copia; mi dissero che la manderi- ano al suo oratore che la mostraria a N. S. La continentia tutta é circa’l dimandar aiuto per le cose del Turco“ und die venezianischen Gesandten Nicolö Tiepolo und Antonio Contarini am 4./5. April 1532 nach Venedig (J Diarii di Marino Sanuto 56, ed. Rinaldo Fulin [Venezia 1901] 56f): „Ha destinato per le cause di le nove turchesche oratori in Ingüterra monsignor Falconeto suo maestro di caxa, et in Francia monsignor Balanson suo secondo somiglier, dieno partir oggi o domani in posta“. Göllner Türkenfrage 103 f. 93) Vgl. Gerhartl Die Niederlage 14ff. Das Schreiben des Papstes an die Reichsstände und den Kaiser: MEA RTA 6 a/2 fol. 195r-196 v, 1532 Juni 18, verlesen Juli 8. 94) Am 18. Juni wurde beschlossen, Medici nach Deutschland zu entsenden: Nuntiaturberichte aus Deutschland Erg. 2 281ff n. 178; über seine Ankunft in Regensburg am