Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

166 Rosemarie Aulinger Ausrüstung der Truppen erfolgte zum Teil durch den Sultan, zum Teil aber durch die Soldaten selbst; ähnlich den deutschen Rittern hatten etwa die Ja- nitscharen für ihre eigene Verpflegung und die Sipähi auch für die der Pferde auf zukommen 89 b). Zu den allgemeinen Vorbereitungen kam noch, daß man, wenn der Heereszug zu Lande geplant war, riesige Mengen von Holz in das Aufmarschgebiet schaffte, um Brücken über Flüsse oder Sumpfgebiete schlagen zu können. Die Schnelligkeit und die Technik der türkischen Pio­niere wurden immer wieder staunend erwähnt. Weiters benötigte man auch Holz für den Bau von Schiffen, das man zum großen Teil aus Asien oder Ägypten in Istanbul und in anderen Hafenstädten stapelte: 1532 wurden so­wohl die Donauflottille (für eine im Bereich der Möglichkeit liegende Belage­rung Wiens), die schließlich Gritti vor Gran verwendete90), als auch die Mit­telmeerflotte ergänzt, die von Andrea Doria vor der Küste Griechenlands ge­schlagen wurde91). Da in diesem Zusammenhang in erster Linie der Feldzug gegen Ungarn und Österreich interessiert, scheint es angebracht, über die Marschroute des tür­kischen Heeres auf dem Balkan zu sprechen; diese blieb bis in die Zeiten des Prinzen Eugen die gleiche und wurde von Hammer-Purgstall in seinem drit­ten Band der Osmanischen Geschichte auf einer Karte festgehalten: Man marschierte stets von Konstantinopel über Adrianopel (Edirne) nach Plovdiv und von dort über Nis nach Belgrad. Hier trennten sich die Wege, je nach­dem wohin sich der Angriff richtete. 1526 zog das Heer über Mohács entlang der Donau nach Ofen; auch 1529 hatte man diesen Weg eingeschlagen. 1532 war zwar Wien abermals das Ziel, die Route wurde aber geändert, wohl um weitere, noch im Hoheitsgebiet Ferdinands liegende Burgen erobern zu kön­nen. Bei Esseg (Ossijek) überquerte man die Drau und marschierte nördlich derselben, sich aber nicht an deren Lauf orientierend, in Richtung Güns (Kőszeg). Die Namen der eroberten Orte beweisen, daß man durch die nörd­lich der Drau gelegene Ebene zog, einzelne markante Orte (etwa Pécs oder Szigetvár) beiseite lassend. Auf dem Rückmarsch wurde Belgrad wieder zum Sammelplatz, von dem aus man gemeinsam — d. h. die regulären Truppen und die herumstreifenden Renner und Brenner - nach Istanbul zurückzog. Nördlich von Belgrad verlief entlang von Save und Drau die angenommene Grenze des türkischen Reiches, die vor allem wegen der Freigabe zur Plünde­89b) Zur türkischen Müitärorganisation vgl. u. a. Knorr Zur Vorgeschichte des osmanischen Kriegswesens in Beihefte zum Militär-Wochenblatt (Berlin 1880) 1-30, bes. 25ff; Leopold von Schlözer Über Ursprung und Entwicklung des alt-türkischen Heeres (Beiträge zur Kenntnis der türkischen Armee 1, Berlin 1900) 41 ff. Weitere An­gaben vgl. Anm. 29. 90) Vgl. oben S. 154, 163 und Anm. 33 und 87. Es sollen etwa 6000 türkische See­leute gewesen sein: Hieronymus Laski an den Herzog Ludwig X. von Bayern 1532 Juni 4 Krakau, bei Muffat Correspondenzen 220. 91) Vgl. Anm. 32. Im Herbst 1532 eroberte Andrea Doria Morea (Peloponnes) von den Türken zurück; die 90 Schiffe und 22 Geleeren Süleymans waren durch die Unterstützung Barbarossas auf etwa 150 Schiffe angewachsen: vgl. Turetschek Die Türkenpolitik 321.

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