Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)
AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag
Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532 163 1532 verlesen wurden und von „Stefan Amadeus“ aus Buda stammen81): Sü- leyman läge mit einem Teil des Heeres bei Mohács82). Zwischen Johann Zápolya und Alvise (Ludovico) Gritti wäre es zu Meinungsverschiedenheiten gekommen, die sich vor allem an der Rückeroberung einiger ungarischer Burgen und Städte entflammt hätten83). Während Zápolya etwa 1000 Mann als Besatzung in Buda (Ofen) lassen wollte, glaubte Gritti, daß die dort liegende türkische Besatzung voll zum Schutz der Stadt ausreichen würde84). Süleyman wollte neben den regulären Truppen Zápolyas und Grittis noch etwa 8000 türkische Reiter aussenden, die Österreich und Mähren „depopularentur, vastent et exurant“85). Gerade die Zwistigkeiten zwischen Zápolya und Gritti traten 1532 immer häufiger in den Vordergrund; Gritti gab sich nach außen hin immer noch als der treue Diener, paktierte aber hinter Johanns Rücken insgeheim mit seinen Feinden und dem Sultan, möglicherweise um selbst zum Mutessarif und Pascha von Ungarn ernannt zu werden86). Zunächst mußte er sich aber auf Zápolyas Befehl hin an die Spitze eines Heeres stellen, mit dem er die Stadt Gran erobern sollte. Daß er damit auch dem Wunsch Süleymans entsprach, kann angenommen werden; trotz seiner günstigen Position vor der Stadt - Sieg über einen Teil des Heeres Ferdinands und die Möglichkeit, Gran auszuhungern - brach Gritti die Belagerung Ende September ab und reiste nach Belgrad, um weitere Befehle des Sultans entgegenzunehmen 87). 81) Der Reichsabschied wurde am 27. Juli verlesen. Zu Stefan Amadé vgl. Heiß Politik und Ratgeber 130 und Die ungarischen, böhmischen und österreichischen Besitzungen der Königin Maria (1505-1558) und ihre Verwaltung in MÖStA 29 (1976) 100 und 103. 82) Ist nicht möglich. Vgl. Anm. 80. 83) Ferdinand hatte im Gegenstoß des Herbstes 1529 (nach der Belagerung Wiens) große Teile Westungams wieder unter seinen Einfluß gebracht: vgl. Hammer-Purg- stall Geschichte 2 441. 84) Nach der Übergabe Ofens durch Thomas Nadásdy und der deutschen Besatzung an Süleyman blieben Gritti und Hassan-Beg mit einer türkischen Garnison in der Stadt zurück: vgl. Fessler-Klein Geschichte 3 438 und Kretschmayr Gritti 22. 85) Aus dem Schreiben Bischofs Thomas Zalaháza (vgl. Anm. 57). Auf seinem Marsch nach Güns eroberte Süleyman eine Reihe von Festungen: Siklós, Egerszeg (Zala Egerszeg), Körmend, Kapornák und Szombathely (Steinamanger). Hammer- Purgstall Geschichte 2 88 und Turetschek Die Türkenpolitik 324 nennen noch einige Orte mehr. In diesen Gebieten durften die Akindschi und Tataren überall plündern und brandschatzen. 86) Gritti hatte schon durch Zápolya hohe Auszeichnungen und Ämter in Ungam erhalten (1529 Generalschatzmeister und Bischof von Eger/Erlau, 1530 Reichsgouverneur); 1531 war er auch vom Sultan zum Gubernator eingesetzt worden. Nach dem Feldzug 1532 überhäufte ihn Süleyman mit Geld und Ehren und stellte ihm Soldaten und Waffen zur Verfügung. Darüber und über seine Willkürherrschaft in Ofen 1533 sowie seine Ermordung 1534 vgl. Kretschmayr Gritti 47ff. 87) Er operierte mit etwa 10.000 Mann zu Fuß, der türkischen Donauflottille und einem Teil des Belagerungswerkzeuges. Zunächst schien es, als könne Gran sich gegen Gritti behaupten, mußte dann aber, um nicht auf Grund einer Hungersnot in der Stadt aufgeben zu müssen, österreichische Truppen zu Hilfe rufen (vgl. Turetschek Die li*