Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

164 Rosemarie Aulinger Soweit die dem Reichstag offiziell vorgelegten Berichte. Es kann aber ohne Zweifel angenommen werden, daß man in Regensburg auch jene gedruckten „Neuen Zeitungen“ kannte, die den Marsch des türkischen Heeres beschrie­ben, wie etwa die Copey und lautier abschriefft eins warhafftigen sendtbrieffs / wie der Türkisch Kaiser Sólymán / diesen seinen jtzt gegenwertigen Antzug Widder die Christenheit geordnet / und Constantinopel auszogen / und gen Kriechisch Weissenburgk ankomen ist, die in der österreichischen National­bibliothek aufbewahrt wird* 88), oder auch die gedruckten Protokolle von Ver­hören zweier in Österreich gefangengenommener Türken, die vor allem über die Stärke des türkischen Heeres und die Anzahl der mitgeführten Geschütze Aufschluß geben konnten89). Im vorhergehenden wurde versucht, einen kurzen Überblick über die am Reichstag verlesenen Kundschafterberichte zu bieten und deren Wahrheits­gehalt zu überprüfen. Im allgemeinen zeigte es sich, daß die Berichte mit den Tatsachen, wie sie in der Literatur zur ungarischen und türkischen Ge­schichte von den Historikern des 19. und 20. Jahrhunderts beschrieben wer­den, weitgehend übereinstimmen. Welche Bedeutung hatten aber diese Be­richte allgemein und für den Reichstag im speziellen? Das Wissen um den Wert und Unwert, den heute noch Kundschafterberichte (modern mit dem Wort „Spionage“ besser zu umschreiben) haben, kann vorausgesetzt werden; Türkenpolitik 323f). Als Gritti vom Rückzug Süleymans hörte, brach er die Belage­rung ab. 88) 23. C. 28 und 20. T. 48: in etwas differierenden Druckausfertigungen (Göllner Die europäischen Türkendrucke 1 nn. 457 und 458). Die beiden Berichte sind datiert „Belligradi / das ist Kriechisch Weyssenburg / Im Heerlager Solymans / am sibénden tag Julii / im 1532“. Interessanterweise geben sie den 16. Mai als Tag des Aufbruches Süleymans aus Konstantinopel (vgl. oben S. 157) an; sie sprechen genau über die Marschordnung, die Truppenstärke und die Menge der mitgeführten Geschütze, Pferde und Kamele sowie über die in den verschiedenen Stationen empfangenen Gesandt­schaften; letztere Angaben stimmen nur bedingt mit den Tatsachen überein (z. B. 1532 Mai 27: Lamberg und Nogarola in Adrianopel, Mai 6 und 29: persische Gesandte in Istanbul und Adrianopel und Juni 7: Venezianer gleichfalls in Adrianopel). Die Reise ist nach diesen Berichten folgendermaßen anzunehmen: 1532 Mai 17: Aufbruch des Sultans (ab 2. Mai Abmarsch verschiedener Truppenteile, darunter auch Abfahrt der Flotte unter dem Pascha von Gallipoli) - Mai 24: Adrianopel - Juni 6: Sofia - Juni 12: Treffen mit Zápolya in „Aniza“ (Zápolya traf 1532 nirgends mit dem Sultan zusam­men; möglicherweise ist mit „Aniza“ Nis gemeint) - Juni 24: Belgrad (hier stimmt das Datum mit den Tatsachen überein!). Weitere Türkendrucke zu 1532: Göllner Die eu­ropäischen Türkendrucke 1 nn. 422-489. 89) Warhafftige newe zeittung von dem Türcken / welche eyn gefangener Türck zu Wien / auff die Fragstuck / so hierin begriffen / geantwort (Österreichische National­bibliothek 20. S. 34). Von zweyen Türcken newlich gefangen was sie gefragt worden / und geantwort haben (ebenda + 38. R. 152). Die Fragen beziehen sich allein auf die müitärische Stärke des Heeres und die Absichten Süleymans, der bereits vor Güns lag. In beiden Vernehmungsprotokollen stimmen Fragen und Antworten des ersten Türken überein. Vgl. Göllner Die europäischen Türkendrucke 1 nn. 479 und 489. Über die Gefangennahme türkischer Spione bei Wien berichtet auch der päpstliche Legat Ale- ander, u. a. am 22. Juli 1532: Nuntiaturberichte aus Deutschland 1533-1559, 2. Ergän­zungsband bearb. v. Gerhard Müller (Tübingen 1969) 376 n. 192.

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