Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

158 Rosemarie Aulinger 10. bis zum 30. August) aufgehalten52), sondern wäre direkt gegen Wien ge­zogen, dann hätte Karl V. mit seinen Befürchtungen recht behalten. Aus der Vielzahl der Berichte, die an Ferdinand und Karl gelangten und heute noch zum Teil in den Beständen des Haus-, Hof- und Staatsarchives in den Staatenabteilungen Turcica, Venedig, Rom sowie in den Hungarica lie­gen, scheinen nur die im April verlesenen Briefzusammenfassungen entnom­men worden zu sein; diese hatten die Räte Ferdinands und des Kaisers sorg- fältigst ausgewählt, um die packendsten und eindringlichsten Schilderungen der türkischen Rüstung - die ungarische Frage wurde dabei ausgeklammert - vorzutragen. Die Kopien im Mainzer Erzkanzlerarchiv, die von einer in die­ser Kanzlei unbekannten Hand angefertigt wurden und einem Schreiber der kaiserlichen Kanzlei zuzuweisen sind, lassen diesen Schluß zu. Der Kopist stellte die wichtigsten Passagen aus den verschiedensten Berichten - stets mit dem Vermerk „ex litteris“ (mit Datum) - zusammen. Die im Juni und Juli verlesenen Berichte waren hingegen direkt an den König und die Reichsstände in Regensburg adressiert. Dafür spricht auch die Tatsache, daß gerade diese Schreiben nicht in den oben erwähnten Wiener Beständen zu finden sind: 1. ein lateinischer Bericht vom 6. Juni 1532 S3) - verlesen am 21. Juni; 2. ein Bericht des Johann Lenzei über den Vormarsch der Türken in Rich­tung Wien vom 14. Juni 1532 54 55) — verlesen am 23. Juni; 3. die vom steirischen Landeshauptmann Hans Ungnad übersandte Nach­richt vom 28. Juni 1532 ss) — verlesen am 6. Juli; 4. zwei Schreiben des Paul Bakié vom 1. Juli 15 3 2 56) — verlesen am 8. Juli und 5. zwei Briefe des Bischofs Thomas Zalaháza von Eger (Erlau) vom 15. und 16. Juli57) - verlesen am 23. Juli. Der am 21. Juni 1532 vorgelegte lateinische Kundschafterbericht (1) beschäf­tigt sich in erster Linie mit dem Vormarsch der Türken auf dem Balkan, über den der anonyme Briefschreiber von seinem Diener oder Gewährsmann („homo meus“) erfuhr, der aus „Nándor Alba“ (Belgrad) zurückgekehrt war, wo er mit eigenen Augen die von den Türken errichtete, gewaltige Brücke über die Save gesehen hatte. Ohne Zweifel werde der Sultan in acht Tagen nach Nis kommen, das etwa vier Tagesmärsche von Belgrad entfernt liege58), 52) Vgl. Hammer-Purgstall Geschichte 2 88ff und unten S. 170f mit Anm. 105. 53) ME A RT A 6 a/2 föl. 173r. 54) Ebenda fol. 178r. 55) Ebenda fol. 191rv, 192r-193v (Begleitschreiben Hans Ungnads). 56) Ebenda fol. 197 rv, 199r (ist an Johann Katzianer gerichtet). 57) Ebenda fol. 200rv, 201r. Alle diese Berichte (Anm. 53-57) fehlen in HHStA Reichsarchive Reichstags aktén 4 bzw. 5 b. Hingegen sind sie in den meisten deutschen Archiven, die Reichstagsakten aufbewahren, vorhanden, u. a. im Hauptstaatsarchiv München Kurbayem Äußeres Archiv 3150 und 3151, im Staatsarchiv Nürnberg Ansba­cher Reichstagsakten 16 und im Staatsarchiv Weimar Reg. E fol. 44. n. 92. 5S) Nis liegt von Belgrad ca. 240 km entfernt.

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