Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)
AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag
Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532 159 wo er die Gesandten Ferdinands abermals empfangen werde, die um Frieden bitten sollten. Süleyman wolle seine Feinde bestrafen und mit Gritti und Zápolya einen Angriff gegen die Länder des Kaisers unternehmen, wobei Gritti und König Johann gemeinsam mit den Walachen Mähren und die Slowakei verwüsten sollten59). Der Anonymus bittet daher flehentlich um rasche Hilfe, die der gesamten Christenheit von Vorteil sein werde60). Auf eine Reihe der hier erwähnten Details kommen wir weiter unten noch zu sprechen. An dieser Stelle soll nur die Tatsache hervorgehoben werden, daß der Schreiber von der Anwesenheit Josef Graf Lambergs und Leonhard Graf Nogarolas61) in Nis berichtet: Am 13. Juni trafen die beiden Gesandten auf das türkische Heer, mit dem sie in den folgenden Wochen den Zug durch Ungarn mitmachen mußten; erst am 31. August (Abzug aus Güns) entließ sie der Sultan62). Der kürzeste der am Reichstag vorgetragenen Berichte stammt von Johann Lenzei (2) (Anm. 54), der nach dem von der Mainzer Kanzlei kopierten Adreßvermerk „egregio domino Ancha Choron de Denechir, domino et amico honorando“ bestimmt war; vermutlich handelt es sich dabei um einen Decknamen, hinter dem sich möglicherweise König Ferdinand selbst verbirgt63). Ein Gewährsmann meldete Lenzei, daß Ibrahim Pascha am Donnerstag in „Zedre“ (Semendria, Smederevo) angekommen sei und daß ihm der Sultan in zwei Tagesmärschen Abstand folge, sodaß dieser am kommenden Sonntag in „Ziriminio“ (Sirmium, Mitrovica) sein werde. „Festinanter eum dicit venire, 59) Während sich Zápolya relativ ruhig verhielt, unternahm Gritti in seinem Auftrag Vorstöße gegen Visegrád (das er verlassen vorfand) und Gran, das sich bis zuletzt verteidigte und damit einen weiteren Vorstoß nach Norden oder Westen unmöglich machte: vgl. u. a. Fessler—Klein Geschichte 3 456, Turetschek Die Türkenpolitik 323 f. 60) ME A RTA 6 a/2 fol. 173 r: „ut magnificentia vestra [= Ferdinand] et omnibus principibus Christianis [!] significent admoneantque eos, ut elevent capita eorum, ne una nobiscum (quo Deus avertat) et ipsi omnes pereant...“. 61) Die Relation der beiden Gesandten in Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte der Verhältnisse zwischen Österreich und Ungarn und der Pforte im XVI. und XVII. Jahrhundert aus Archiven und Bibliotheken, hg. v. Anton Gévay, 1 (Wien 1840) unpaginierte Beilage: Wegraysz / keyserlicher Maiestat Legation / im 32 jar / zu dem Türcken geschickt / wie / und was gestalt / sie hinein / und widerumb herauß / komén ist / warhafftigklich / von denen die mit und bey gewest / in schrifften verfasset. 62) Der Sultan entließ die Gesandten mit folgender Antwort: „Sciatis quod mea intentio non est contra vos [= Ferdinand] sed contra regem Hispanie [= Karl V]: Ab illo tempore ex quo cum mea framea Regnum Vngarie coepi: Cum peruenerimus ad sua confinia Germani?: Non est decens quod ipse prouintias et regna sua nobis reliquat et fugiat: . . . Sed Rex Hispani? iamdiu predicat se velle ire contra Tureas: Ego vero dei gratia cum exercitu meo contra ipsum prodeo: Si est magnanimus expectet me in Campo et erit quicquid deus voluerit .. .“: aus dem Schreiben Süleymans an Ferdinand, 1532 Juli 12 in Gévay Urkunden und Aktenstücke 1 87f. Vgl. auch den Bericht des Hans Ungnad (Anm. 56) und Turetschek Die Türkenpolitik 246-260. 63) 15 2 7 verwendete der Kundschafter Fra Bernardino Pomazanié für seine Berichte an Ferdinand die Adresse „Vito aus Ancona“; vgl. Zontar Obvescevalna sluzba 205.