Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532 157 im großen und ganzen stimmen sie jedoch überein: Süleyman brach am 24. April von Istanbul auf (nicht erst am 12. Juni!) und feierte das Bairamfest (Freudenfest nach Beendigung des Ramadan)48) in Adrianopel (Edirne). Am 13. Juni war der Sultan bereits in Nis. Möglicherweise liegt hier eine Ver­wechslung des Berichterstatters vor. Das Heer bestand zunächst aus etwa 140.000 Mann, u. a. 16.000 Rumeli (europäische Türken), 30.000 Anatoli (asiatische Türken), 12.000 Janitscharen, 20.000 Mann geregelte Reiterei so­wie 30.000 Rennern und Brennern unter der Führung des Kasim Beg; 300 Geschütze wurden mitgeführt. Etwa 15.000 Tataren stießen bei Belgrad unter der Führung des Bruders ihres Khans Ssahib-Girail und 10.000 Mann aus dem Sandjak von Bosnien bei Ossijek (Eszéck/Esseg) unter Chosrew Beg zum Heer Süleymans49). Die übrigen Berichte wurden von König Ferdinand dem Reichstag erst im Juni und Juli 1532 übergeben, als die Höhe der Hilfe bereits festgelegt und von den Reichsständen - mit Ausnahme der in Nürnberg gesondert tagenden Protestanten - bewilligt war50). Man wollte damit die Dringlichkeit der Hilfe unterstreichen und ihr Eintreffen beschleunigen. Als Termin für die Muste­rung des Reichsheeres bei Tulln wurde der 15. August festgesetzt, was in An­betracht des zügigen Vormarsches der Türken jedoch als sehr spät anzusehen war51). Hätte sich Süleyman nicht vor Güns (Kőszeg) mehrere Wochen (vom 444—460; Engel Geschichte 4 35-38; Turetschek Die Türkenpolitik 318-336 und die Kundschafterberichte in den Beständen Hungarica 19 und 20 und Staatenabteilun­gen Turcica 2 und Venedig Berichte 1 und Weisungen 1 (alles zu 1532). 48) Jorga Geschichte 2 415. Am 31. Mai überschritt Süleyman die Balkanpässe von Ichtiman und zog in Richtung Nis; vgl. auch Copey und lautter abschrift . . . (unten S. 164 mit Anm. 88); Turcica 2 fol. 9r (1532 Mai 16). 49) Hammer-Purgstall Geschichte 2 87 gibt die Gesamtzahl der Soldaten mit 200.000 an. Von etwas größeren Zahlen berichtet der venezianische Botschafter an den römischen Gesandten am 5. August 1532: Ernest Charriére Negotiations de la France dans le Levant 1 (Collection de Documents inédits sur l’histoire de France, Pa­ris 1848) 207 f: 300.000 Mann, davon 153.000 Soldaten zu Fuß, darunter 18.000 Jani­tscharen, 100.000 Pferde, 24.000 Vorreiter, 12.000 Bogenschützen, 50.000 Lasttiere). Vgl. Turetschek Die Türkenpolitik 321. Bekanntlich hat Süleyman die Zahl der Ja­nitscharen von 12.000 auf 40.000 Mann hinaufgesetzt: vgl. Menzel Das Korps 58. 50) Die Reichsstände hatten etwa 30.000 Mann zu Roß und zu Fuß bewilligt; diese Zahl wurde um 8000 spanische, italienische und um 35.000 österreichische und böhmi­sche Soldaten vermehrt. Dazu kamen noch 10.000 ungarische Söldner unter der Füh­rung von Valentin Török und Paul Bakié, die zum Teü durch Hilfsgelder von Papst Clemens VII. bezahlt werden konnten. Von den Protestanten stellten die Reichsstädte Nürnberg, Augsburg und Frankfurt ihre Kontingente ohne Zögern zusammen, wäh­rend Sachsen und seine Anhänger ihre Hilfskorps von der Bewüligung eines „Reli­gionsfriedens“ (geschlossen am 23. Juli 1532 zu Nürnberg) abhängig machten - den­noch hatten sie schon vorher mit der Ausrüstung der Truppen begonnen: Otto Win- ckelmann Der Schmalkaldische Bund 1530—1532 und der Nürnberger Religionsfriede (Straßburg 1892) bes. 243ff; Westermann Die Türkenhilfe 93ff. Vgl. auch Steglich Die Reichstürkenhilfe 47-49. sl) Karl V. bat nach Verlesung des Reichsabschiedes am 27. Juli 1532 - in einer Ab­schiedsaudienz für alle Reichsstände — u. a. um die strikte Einhaltung des 15. August als Termin für die Musterung bei Wien: ME A RTA 6 a/2 fol. 435r—438r.

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