Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

156 Rosemarie Aulinger kennen, der das Reich zu bewahren vermag... Ist er im Stande, dies (d. h. Schutz gegen die Türken) wirklich zu leisten, so wird er unser König sein. Ansonsten wollen wir uns lieber freiwillig den Türken unterwerfen, unter de­ren Herrschaft wir ohnehin unausbleiblich gerathen müssen, wenn der Kampf der beiden Könige widereinander noch länger dauert“38). Auch Gritti erschien tatsächlich in Ofen, aber erst am 6. oder 7. Juli39), wohin sich auch Zápolya begeben hatte. Im Juni 1532 legte schließlich Kurfürst Joachim von Brandenburg dem Reichstag einen weiteren Kundschaftsbericht40) vor, der von seinem Diener Balthasar Funck übermittelt worden war: Am 18. Mai hätte der „türkisch keiser“ gemeinsam mit dem Großwesir Ibrahim Pascha41) und 200.000 Mann zu Roß und zu Fuß und allem Kriegsmaterial in Belgrad (Griechisch-Wei­ßenburg) ankommen sollen. Er wäre jedoch erst am 12. Juni(!) von Istanbul aufgebrochen, wobei er 89 Galeeren oder Galeoten und andere Schiffe für den Transport auf der Donau mit sich führte. Über zwei von den Türken er­richtete Draubrücken42) wären Mohamed Beg43) mit 20.000 Mann und der „Sandschak“44) mit 24.000 Mann gezogen; man vermutete, daß sie sich gegen Mähren und Schlesien wenden würden. Ein ungarischer Adeliger45) hätte auf Befehl des Sultans alle Schiffe an der Donau beschlagnahmen und nach Belgrad bringen lassen. Von vielen Seiten hörte Funck aber auch die Sorge der Ungarn anklingen, „die deutschen werden zu lange schlaffen“46). Dieser Bericht des Balthasar Funck bringt die ersten Detaüs über das türki­sche Heer und dessen Zug gegen Deutschland47). Vergleichen wir Funcks Angaben mit den Tatsachen, so sind zwar einige Abweichungen erkennbar, 38) Fessler-Klein Geschichte 3 450; Bucholtz Geschichte Ferdinand des Er­sten 4 552. 39) Kretschmayr Gritti 42. Gritti zog vorher nach Siebenbürgen, wo er einen Landtag einberief. 40) ME A RTA 6 a/2 fol. 171 rv, dem großen Ausschuß am 21. Juni 1532 vorgelegt. 41) Hester Donaldson Jenkins Ibrahim Pasha. Grand Vizir of Suleiman the Mag­nificent (Studies in History, Economics and public Law 115, New York 1911) passim. 42) Als Gewährsmann wurde Albert Beck, der Propst von Fünfkirchen (Pécs) ange­geben. Meinte der Kundschafter damit die bei Belgrad errichtete Savebrücke, die auch den anderen Berichterstattern bekannt war? 43) Sandjak-Beg von Semendria. 44) Es könnte damit Chosrew-Beg von Bosnien oder Murad-Beg von Herzegovina gemeint sein. Sandjak, was soviel wie Provinz bedeutet, steht hier stellvertretend für den Befehlshaber der Provinz. 45) Der Name wird mit „Prim Peter“ angegeben. Es handelt sich dabei um Peter Pérény, der in den Kundschafterberichten in MEA RTA 6 a/2 und Hungarica 19 und 20 immer wieder auf taucht. 46) Obwohl dieser Schlußsatz fast danach aussieht, als sei er allein für die Reichs­stände hinzugefügt worden, war es doch die allgemeine Stimmung des ungarischen Volkes - besonders aber der Partei Ferdinands - die auf Hilfe des Reiches hofften (vgl. z. B. Sigmund von Herberstein an Ferdinand 1532 Januar 11 in HHStA Hungarica 19 fol. 58-59). 47) Zum Vergleich für diesen und die folgenden Berichte wurden herangezogen u. a.: Hammer-Purgstall Geschichte 2 86-108; Fessler-Klein Geschichte 3

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