Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)
AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag
KUNDSCHAFTERBERICHTE ÜBER DEN AUFMARSCH DER TÜRKEN AM BALKAN 1532*) MELDUNGEN AN DEN REICHSTAG Von Rosemarie Aulinger Als im August 1526 König Ludwig II. von Ungarn bei Mohács im Kampf gegen das Heer Sultan Süleymans II. fiel, waren damit die Weichen in der Geschichte Osteuropas gestellt: In den folgenden Jahren (bis 1538) kam es zu einem Ringen um die ungarische Krone zwischen Erzherzog Ferdinand von Österreich1) und Johann Zápolya, dem Woiwoden von Siebenbürgen. In diese Auseinandersetzung griff Süleyman2) als potentieller Faktor immer wieder ein, da er sich als Beherrscher Ungarns und Beschützer Zápolyas betrachtete3). In diesem Sinne ist auch der Feldzug von 1529 als Strafexpedition, aber auch als Machtdemonstration zu bewerten4). Der Konflikt zwischen Ferdi*)Vorweg möchte ich Frau Dr. Christiane Thomas und Herrn Dr. Gerhard Rill für Ihre umfassende Mithilfe beim Zustandekommen dieses Aufsatzes herzlichst danken. *) Auf Grund seiner Ehe (1516 Juli 24) mit Ludwigs Schwester Anna machte Erzherzog Ferdinand (Abkommen zwischen Kaiser Maximilian I. und König Wladislaw n. von Böhmen und Ungarn im Wiener Kongreß von 1515) seine Thronansprüche geltend: Gustav Turba Geschichte des Thronfolgerechtes in allen habsburgischen Ländern (Wien 1903) 279-289 und 340-346; Oskar Gluth Die Wahl Ferdinands I. zum König von Böhmen in Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen 15 (1877) 198-230 und 271-302; Stanislaus Smolka Ferdinands Bemühungen um die Krone von Ungarn 1526 in AÖG 57 (1879) 1-172, bes. 28 ff; Zur Schlacht bei Mohács (1526 August 29) vgl. Eugen von Gyalokay Die Schlacht bei Mohács in Ungarische Jahrbücher 6 (1926) 228-257. 2) Zu Süleyman vgl.: Robert B. Merriman Suleiman the Magnificent 1520-1566 (Cambridge 1944) 76ff (1526) und 112-118 (1532). 3) Joseph von Hammer-Purgstall Geschichte des osmanischen Reiches 2 (1520-1623) (Pesth 21840) 61 ff. Hieronymus Laski verhandelte seit Ende 1527 im Namen Zápolyas, um ein Freundschaftsbündnis zwischen dem Woiwoden und dem Sultan zu erlangen. Durch Mithilfe Alvise Grittis und des Großwezirs Ibrahim Pascha konnte der Sultan dazu bewogen werden, Zápolya als ungarischen König anzuerkennen. Man verlangte von ihm keinerlei Tribut, aber im Falle eines Feldzuges militärische und wirtschaftliche Unterstützung. Zu Laski vgl.: Hermann Kellenbenz Zur Geschichte der Ostpolitik Karls V. Die westeuropäischen Verbindungen Jan Zápolyas und Hieronymus Laskis zu Beginn der Dreißigerjahre in Karl V. Der Kaiser und seine Zeit. Kölner Colloquium 26.-29. 11. 1958 (Köln-Graz 1960) 118-137. 4) Eine der wichtigsten Arbeiten zum vorliegenden Aufsatz: Christine Ture- tschek Die Türkenpolitik Ferdinands I. von 1529 bis 1532 (Dissertationen der Universität Wien 10, Wien 1968) 90 ff. Dort auch weiterführende Quellen- und Literaturangaben. Von größter Bedeutung ist: Carl Göllner Turcica 1 und 2: Die europäischen io*