Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

148 Rosemarie Aulinger nand und Johann selbst war durch ein ständiges Auf und Ab gekennzeichnet, in dem Ferdinand zunächst die Oberhand zu gewinnen schien: Ungarische Adelige schlossen sich ihm immer häufiger in der Hoffnung an* 2 * * 5), er könne durch seine Position, hinter der die Macht des Kaisers, des Heiligen Römi­schen Reiches und der Länder der Böhmischen Krone stand, größere Erfolge im Kampf gegen die Türken — verbunden mit einer Befreiung Ungarns vor der immer wieder drohenden Gefahr - erzielen als der offen mit dem Sultan sympathisierende Zápolya6). Vermittlungsversuche, die sowohl von ungari­schen Adeligen (wie Erzbischof Paul Värday von Gran) als auch durch Her­zog Georg von Sachsen und König Sigismund von Polen unternommen wur­den, brachten nur vorübergehende Erfolge7). Türkendrucke des 16. Jahrhunderts (Bucarest-Berlin 1961—68) 208-243 und 3: Die Türkenfrage in der öffentlichen Meinung Europas im 16. Jahrhundert (Bucarest-Ba- den-Baden 1978) bes. 100-105. Zur ungarischen und osmanischen Geschichte vgl. u. a. Hammer-Purgstall Geschichte 2 65—75; Johann Wühelm Zinkeisen Geschichte des osmanischen Reiches in Europa 2: Das Reich auf der Höhe seiner Entwicklung 1453-1574 (Gotha 1854) 714-738; Néculai Jorga Geschichte des osmanischen Reiches 2 (bis 1538) (Allgemeine Staatengeschichte Abt. 1: Geschichte der europäischen Staa­ten 37, Gotha 1909) 411 ff; Johann Christian von Engel Geschichte dies ungarischen Reiches 4 (Wien 1834) 23f; Ignaz A. Fessler Geschichte von Ungarn 3 (1457-1576), hg. von Emst Klein (Leipzig 21874) 430-441; Franz Salamon Ungarn im Zeitalter der Türkenherrschaß (Leipzig 1887) 69ff (1526) und passim. 5) Nach der Krönung Ferdinands zum ungarischen König (1527 November 3, Stuhlweißenburg) liefen u. a. Valentin Török, Paul Bakié und Ludwig Pékry zu Ferdi­nand über; sie waren in der Schlacht bei Kaschau als Hauptleute unter Johann Kat- zianer tätig (Fessler-Klein Geschichte 3 427f). Vgl. Gernot Heiß Politik und Rat­geber der Königin Maria von Ungarn in den Jahren 1521—1531 in MIÖG 82 (1974) 160ff. Paul Bakié begegnet uns 1532 als Übermittler von zwei Kundschafterberichten an den Reichstag - vgl. S. 161f, bes. Anm. 56 - und gemeinsam mit Valentin Török als Befehlshaber im Heere Ferdinands (gegen Kasim Beg) wieder. 6) Fessler-Klein Geschichte 3 427f und 443. 1530 sandte Zápolya z. B. Michael Somlay zu Mohamed, dem Sandjak-Beg von Semendria (Smederevo, Serbien), um ihn zu Beutezügen nach Österreich zu verleiten; Mohamed drang zwar plündernd mit 25.000 Mann bis Westungam vor, zog aber nicht nach Österreich weiter: vgl. Engel Geschichte 4 25ff. Vor allem durch die Plünderungen seiner unregelmäßig bezahlten Landsknechte verlor Ferdinand 1528/29 wieder die Sympathie der Bevölkerung, die ihm vorher spontan zugeflogen war: vgl. Fessler-Klein Geschichte 3 433. Zápolya seinerseits versuchte immer wieder, um die Gunst der Reichsstände - die er als Gegner des Hauses Habsburg im Reich erkannte — zu werben; Bayern und Hessen traten dabei in den Vordergrund: vgl. dazu eine Reihe wichtiger Aktenstücke bei Carl August Muffat (Hg.) Correspondenzen und Aktenstücke zur Geschichte des politischen Ver­hältnisses der Herzoge Wilhelm und Ludwig von Bayern zu König Johann von Ungarn (Quellen zur Bayerischen und Deutschen Geschichte 4, München 1857) 55—68 (1529) und 142-244 (1532). Nach seiner Exkommunikation durch Papst Clemens VII. (1529 Dezember 21) war es selbst für Frankreich und Bayern schwer, Zápolya offiziell zu unterstützen. 7) Im November 1530 trafen sich die Bevollmächtigten beider Parteien zum ersten Gespräch in Posen. Über die Verhandlungen vgl. Fessler-Klein Geschichte 3 445—447. Man einigte sich schließlich auf einen Waffenstillstand (von 1530 Dezem­ber 13 bis 1531 Dezember 13), den man zunächst auch von Süleyman bestätigt haben wollte. Am 21. April 1531 kamen Wilhelm Graf Rogendorf und Hieronymus Laski in Visegrád überein, die Waffenruhe zu verlängern. Der vom Sultan gewünschte Friede

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