Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

RILL, Gerhard: Die Hannart-Affäre. Eine Vertrauenskrise in der Casa de Austria 1524

142 Gerhard Rill dann würde dies auch dafür sprechen, daß Wolff von Hannart direkt einiges erfahren hatte; denn der Orator hatte Wolff bereits im Oktober 1523 zu sich beordert und scheint ihn in der Folge über Gebühr protegiert zu haben, - was nicht unbemerkt blieb251). In dem entscheidenden Punkt [2] aber „weiß“ der Verfasser der Instruktion mehr als alle Zeitgenossen, nämlich: daß Fer­dinand und Hannart am Reichstag an das Gutdünken des Kurfürsten von Sachsen gebunden sein sollen. Diese Aussage, die völlig den bekannten Tat­sachen widerspricht, findet sich nur noch einmal in einer anderen Quelle, nämlich in einem Schreiben Wolffs252)! ad 3. Die Frage nach den Motiven ist am schwersten zu beantworten. Eine klar auf materiellen Gewinn ausgerichtete Konstruktion - wie etwa im Falle der „Packschen Händel“253) — läßt sich nicht feststellen. Deutlich hingegen sind Wolffs Bemühungen um eine Aufwertung seiner Position - womöglich in jene Höhe, die er schon einmal erreicht hatte wobei seine Art des Erkun- dens, des Taktierens und der Berichterstattung den Wunsch, Sensationelles zu bieten, wie auch eine gewisse moralische Unbedenklichkeit erkennen las­sen (obwohl er äußerst sensibel reagierte, wenn er seine Ritterehre bedroht wähnte254)). Sein Informationsstand und die unübersichtlichen Verhältnisse zu Beginn des Reichstages boten ihm die Chance, seine Stellung als Infor­mant und Hauswirt des Kurfürsten und des sächsischen Hofstaates zu einer Schlüsselposition auszubauen. Punkt [9] der Instruktion, in dem der Kurfürst an die „alten“ Räte verwiesen wird, zeigt, daß Wolff ganz sicher gehen woll­te: Im letzten Hofstaatsverzeichnis Maximilians I. vom Januar 1519 steht mitten unter den bekannten Namen der Räte Semteiner, Viliinger, Renner, Ziegler, Lamparter etc. auch der des Kammermeisters Balthasar Wolff255). Von allen Räten kam aber wohl in erster Linie jener als Delegierter des Kur­fürsten in Frage, der sich diesem schon bisher unentbehrlich gemacht hatte. Bei einem Meinungsaustausch Ferdinands und Friedrichs im Sommer 1524 erscheint Wolff tatsächlich als Sprecher Ferdinands - was allerdings wie­251) Daß Wolff zu Hannart berufen worden sei, berichtet Planitz am 15. Oktober 1523: Wülcker-Virck Planitz 554f. - Laut Instruktion Hannarts für Gillis vom 26. April 1524 war Wolff bereits für das Reichsregiment ernannt (Lanz Correspon- denz 1 131), doch lehnte Ferdinand unter Berufung auf den Pfalzgrafen Friedrich diese Ernennung kategorisch ab (Ferdinand an Karl, 1524 Juni 29: FK 1 195 n. 78). Salinas regte noch Anfang März 1525 an, man möge in Erfahrung bringen, ob Hannart von „Baltazar Liof“ bestochen worden sei, da er diesen zum „consejo dei imperio“ (!) ge­macht habe: Rodriguez Villa Carlos V 266. 252) Förstemann NUB 1 149. ' , 253) Siehe die Monographie von Dülfer Die Packschen Händel (wie Anm. 15). 254) Anläßlich der routinemäßig geforderten Ausstellung eines Reverses 1522 fühlt sich Wolff nicht rittermäßig behandelt, lehnt die Mitbesiegelung anderer ab („dann es kert in sollichen veilen khainem unverleymbten zue“) und droht Burgfarrnbach aufzu­geben, - „dann als ungern man mich haben will, als ungern wül ich bleyben“; er werde sein Vermögen dort anlegen, „da man mich gern hat“: Wolff an Sigmund von Heßperg, 1522 Juli 16 (Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Oberamtsakten 337 fol. lrv). Vgl. Malter Wolff von Wolffsthal 6. 255) Fellner—Kretschmayr ÖZV 1/2 142.

Next

/
Oldalképek
Tartalom