Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

RILL, Gerhard: Die Hannart-Affäre. Eine Vertrauenskrise in der Casa de Austria 1524

Die Hannart-Affäre 139 VIII Bisher wurde noch nicht die Möglichkeit einer ordnungsgemäßen Entstehung — einer Mundierung durch eine kompetente, vom Kaiser autorisierte Person - der Instruktion in Betracht gezogen. Weder die formalen noch die inhaltli­chen Kriterien boten dazu Anlaß. In den zeitgenössischen Quellen begegnen nur zwei Aussagen, die für die Existenz eines „Originales“ zu sprechen scheinen. In einem Schreiben Ferdinands an Karl vom 5. September 152 4 237) findet sich ein Satz, aus dem man schließen könnte, Ferdinand habe mit Hannart über die Instruktion gesprochen; und da dieser seine Instruierung nicht bestritt, hätte man Grund, ein „echtes“ Dokument vorauszusetzen. Ferdinand erklärt jedoch an dieser Stelle nur, daß er sowohl die Instruktion (aller Wahrscheinlichkeit nach L) gesehen als auch das, was Hannart sagte, zur Kenntnis genommen habe; er habe (als gehorsamer Diener des Kai­sers) nicht widersprochen und würde dies auch nicht getan haben, hätte Hannart noch viel mehr unternommen, als er tatsächlich unternahm, etc.238 239). Daß dem Erzherzog zu dieser Zeit bereits eine Kopie vorlag, ist uns bekannt235), ebenso, daß sich Hannart mißbilligend über Salamanca geäußert hatte240). Daraus ergibt sich zwar, daß die „In­struktion“ und die Erklärung Hannarts inhaltlich denselben Gegenstand (nämlich Sa- laftnanca) betroffen haben müssen, nicht aber, daß die Instruktion, wie sie uns in D und L überliefert ist, das Gesprächsthema bildete. Ferner hören wir am 18. Dezember 1524 von einem Zeugen, der die Instruktion gese­hen haben will: von Gillis. Salinas schließt an seine abschätzige Bewertung des Sekre­tärs241) an, er (Gillis) sei „de tal suerte que me ha manifestado ser verdad la instru- ciön, y asimismo lo tiene dicho al secretario maestro Juan Aleman“ 242). Mitte Februar 1525 teilt Ferdinand seinem Bruder diese Neuigkeit mit und bittet um Nachforschun­gen243), Karl antwortet darauf im Juni mit der trockenen Feststellung, Gillis befinde sich derzeit in Perpignan244). Daraus könnte man folgern, daß der Kaiser diese heiße Spur mit guten Gründen nicht verfolgen wollte. Dagegen ist jedoch zu bedenken, daß Salinas selbst den Aussagen Gillis’ nicht getraut zu haben scheint, sonst hätte er sie nicht als Beweis für dessen Geschwätzigkeit angeführt.-Abgesehen davon aber wäre es geradezu erstaunlich, hätte ausgerechnet der Geheimnisträger Gillis nichts von der Existenz unseres Textes - der nach Ferdinands Erklärung schon früher „par tout pub- lié“ war245) — gewußt! Beide Spuren führen also nicht zu einem „Original“, bestenfalls zu einer der beiden uns vorliegenden Fassungen. Hingegen sprechen schwerwiegende Ar­gumente gegen die Annahme eines auf „normalem“ Wege entstandenen Do­kumentes: 237) FK 1 214 n. 88/1. 23S) ,,. .. certes, monsr, ayant veu l’instruction qu’il avoit de Vre Mte et ce qu’il me diet, s’il eust voulu encoires beacop plus faire qu’il n’a fait, je ne lui eusse voulu con- tredire . . .“. 239) Siehe oben S. Í18. 240) Siehe oben S. 104. 241) Siehe oben S. 100. 242) Rodriguez Villa Carlos V 214f. 243) FK 1 267 n. 124/8. 244) Ebenda 310 n. 143/14. 24s) Siehe oben S. 118.

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