Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)
RILL, Gerhard: Die Hannart-Affäre. Eine Vertrauenskrise in der Casa de Austria 1524
136 Gerhard Rill verdient zu haben, müsse aber ablehnen; er denke vielmehr an Schloß und Dorf Mont- ron im Burgundischen, das der Erzherzog aus dem Besitz der Grafen von Fürstenberg erworben habe22 * * 228). Diese Schenkung kam unter gewissen Konditionen auch tatsächlich zustande, doch schaltete sich jetzt Salamanca ein, der den Besitz zurückkaufte und Ferdinand restituierte229). Mitte 1527 hatten die Ansprüche Lalemands bereits 10.000 Gulden erreicht, wobei die letzten Jahrespensionen noch nicht berücksichtigt waren. Und bei der totalen Erschöpfung der Mittel Ferdinands war eine Bezahlung in nächster Zeit unvorstellbar230). Angesichts dieser Ansprüche und in der Erkenntnis, daß an eine Rehabilitierung Lalemands nicht mehr zu denken war, distanzierte sich nun auch Sali- nas von den verzweifelten Versuchen des einst so mächtigen Staatssekretärs, seine Position zurückzuerobem. 1534 hatte er jedenfalls sein Arrangement mit dem neuen Mann, Granvella, bereits getroffen231). Die Ende der zwanziger Jahre erhobenen Anklagen - die Hauptquellen sind bisher nicht ediert und zum Großteil weder datiert noch in eine relative chronologische Abfolge gebracht — enthalten einen ganzen Katalog von Vergehen232). Am gravierendsten erscheinen in der Aussage des Kabinettssekretärs Antoine Perrenin233), der von „grande malice et conspiration diabo- lique“ des Delinquenten spricht, jene Intrigen, die das gute Einvernehmen zwischen Kaiser und Großkanzler sprengen sollten. Lalemand habe zunächst versucht, Unfrieden zu stiften „faisant rapportz reciproquement de l’ung ä l’autre pour esmouvoir led. chancelier ä fere pluseurs remonstrances et plaincts de son traictement et de sa preheminance en l’estat et d’autre cousté n’avoit point de honte de dire ä l’empereur que led. sr. chancelier estoit troup dificille ä contenter, voire osoit bien dire que S. M. n’avoit que faire de chancelier et qu’icelluy devenoit vieux et rassotoit et ne servoit plus que de dire nouvelles aux ambassadeurs qu’estoient propoz bien rempliz de meschante ingratitude“ (fol. 35 v). Es blieb jedoch nicht bei Zuträgereien und Einflüsterungen. Als Gattinara in Italien auf seinen Gütern weilte, versicherte er den Kaiser seiner Bereitschaft, im Bedarfsfälle alles stehen und liegen zu lassen und zur Stelle zu sein. In einem Antwortschreiben Karls wurde — laut Perrenin - darauf Bezug genommen mit den Worten „et quant ä ce que dites que sipendant vostre demeure par delä nous pou- vez faire service“ und darauf folgte „que non“: „Lesquelx motz ,que non‘ n’estoient du sceu volenté ordonnance de S. M., ny se fussent 22S) Salinas an Salamanca, 1525 März 26: ebenda 269; an Ferdinand, 1526 Januar 13: ebenda 305f. 229) Schenkungsurkunde vom 3. Dezember 1525 im HHStA Reichsregisterbücher Ferdinands I. 1 fol. 38rv; Original des Vertrages Ferdinands mit Salamanca vom 22. Dezember 1525 im HHStA Allgemeine Urkundenreihe. 230) Aufzeichnung über die Ansprüche Lalemands (1527 nach Mai 21): HKA Niederösterreichische Kammer 2 fol. 709r—1710r n. 480. 231) 1534 März 16: Rodriguez Villa Carlos V 569. 232) Untersuchungsakten Lalemand 1528—1531: HHStA Belgien PA 21/4; zusammenfassend Walser-Wohlfeil Zentralbehörden 258ff. Verzeichnis der Untersuchungsakten und Datierung einzelner Stücke in diesem Band im Stückverzeichnis zum Bestand Belgien PA des Haus-, Hof- und Staatsarchivs Wien (5. Teü) nn. 3609-3693. 233) Untersuchungsakten fol. 35r—49v.