Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

RILL, Gerhard: Die Hannart-Affäre. Eine Vertrauenskrise in der Casa de Austria 1524

Die Hannart-Affäre 133 nicht ausreicht - im unteren Bereich der Diplomatie, im Vermitteln vertrau­licher Informationen und bestenfalls im Kontaktieren, sucht. Vielleicht läßt sich hieraus ein gewisses Verständnis als Voraussetzung für die Antworten auf jene Fragen gewinnen, die uns im Rahmen der Hannart-Affäre vor allem interessieren: nämlich auf die Frage der Zuverlässigkeit seiner Berichte und auf jene nach seiner Rolle in dem Geschehen um die Instruktion. Hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit können wir uns auf einen exemplari­schen Fall beschränken. Am 4. Dezember 1522 teilt Planitz dem Kurfürsten von Sachsen mit, daß ihn Wolff (und dieser unter Berufung auf Briefe Karls an Ferdinand) über drei Dinge informiert habe: Erstens habe Karl geschrieben, „als solt er [Ferdinand] innen [Karl] in der tei- lung übereüt und geforteüt haben“; zweitens erhebe Karl den Vorwurf, „das er [Fer­dinand] wider sein vorschreibung practicn suchen solde Römischer konig zu werden“; schließlich habe Ferdinand einen Ratsbeschluß darüber „eroffent oder geoffenbart“, was Franz von Sickingen „wider den bischof (!) von Trier vorzunemen beiden worden sein solde“208). Diesen Nachrichten hat man bisher jeglichen eigenen Quellenwert aberkannt und in ihnen ein von Wolff fabriziertes Konglomerat gesehen, das dieser wiederum aus dem von Ferdinand im November 1522 auf gestellten Forderungskata­log209) abgeleitet habe, indem er Rückschlüsse auf die vorangegangenen Schreiben Karls zog210). Dabei wird jedoch übersehen, daß fünf dieser Briefe ab Jahresmitte 1522 211) nicht erhalten, ihr Inhalt aus Antworten Ferdinands nur imvollständig zu er­schließen ist. Fest steht hingegen, daß in der fraglichen Zeit alle drei Themen aktuell waren. Daß sein Bruder den besseren Teil erhalten habe, behauptete Karl schon bald nach dem Wormser Abkommen212), Praktiken bezüglich der Königswürde für Ferdi­nand sind für Ende 1522 bezeugt213), betreffend die causa Sickingen ist in der Instruk­tion vom November 1522 nur von Gerüchten über eine Verbindung des Ritters mit Frankreich die Rede214). Allein der letzte Punkt zeigt schon, daß nicht alle drei Informationen aus ei­ner späteren Instruktion deduziert worden sein können. Charakteristisch für sie ist, daß sie sich einerseits in den Rahmen des Zeitgeschehens ohne er­kennbaren Widerspruch einfügen lassen, andererseits kaum in den kaiserli­chen Briefen in der von Planitz referierten Form geäußert worden sind. Diese Annahme, die wir mit Vorsicht allgemein auf die Wolff’sche Berichterstat­tung anwenden dürfen, kann nicht überraschen: Wolff hatte keine Funktion 20«) Wülcker-Virck Planitz 261/3. 2°9) pK i 21-30 n. 21 (Instruktion für Hemricourt und Salinas). 21°) In diesem Sinne Wülcker-Virck Planitz 261 Anm. 9, 211) FK 1 15 n. *17, 21 nn. *19 und *20, 30 n. *22, 34 n. *24. 2U) Bauer Anfänge 136f. 213) Georg von Sachsen an Dietrich von Werthem, 1522 Dezember 11: Akten und Briefe zur Kirchenpolitik Herzoq Georqs von Sachsen, hg. von Felician Geß, 1 (Leip­zig 1905) 396 n. 410. 214) FK 1 25f n. 21/15. Vgl. dagegen das an den Erzbischof von Mainz gerichtete Mandat vom 1. September 1522 bei Ernst Münch Franz von Sickingens Thaten, Plä­ne, Freunde und Ausgang 2 (Stuttgart-Tübingen 1828) 204 n. 128. Zur Trierer Fehde: Karl Hans Rendenbach Die Fehde Franz von Sickingens gegen Trier (Historische Studien 224, Berlin 1933) und William R. Hitchcock The Background of the Knight’s Revolt, 1522-1523 (Berkeley - Los Angeles 1958), beide jedoch ohne konkrete Angaben zu den Maßnahmen Karls bzw. des Reichsregiments.

Next

/
Oldalképek
Tartalom