Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 32. (1979)

NECK, Rudolf: † Hanns Leo Mikoletzky

492 Nachrufe verstanden, seine Mitarbeiter entsprechend zu motivieren. Da eine personelle Verstärkung nur zu langsam und nie in dem erforderlichen Ausmaß durchzu­setzen war, konnte es trotz grenzenlosen Einsatzes nicht ausbleiben, daß die Rückstände und die Zahl der Urgenzen und Beschwerden immer größer wur­den. Kraus hat immer wieder versucht, wenigstens die aus humanen Erwä­gungen dringendsten Fälle positiv abzuschließen und dabei bei den Betroffe­nen volle Anerkennung gefunden. Wenn es auch stimmen mag, daß ein in Organisationsfragen mehr Versierter manches vermeiden hätte können, bleibt es doch unbestreitbar, daß es eine letztlich unlösbare Aufgabe war, die seine letzten Berufsjahre bis zum Übertritt in den Ruhestand Ende 1965 zu einem Opfergang machte. So wird sein Lebenslauf in Erinnerung bleiben: Als der eines exemplarischen Vertreters jener Archivarsgeneration, welche die Auswirkungen zweier Welt­kriege und zweier Nachkriegszeiten zu bewältigen hatte, die trotz ungünsti­ger Umstände Bedeutendes für das österreichische Archivwesen geleistet hat. Quellen und Literatur: Kriegsarchiv Personalakten Adam Kraus und Nachlaß Wilhelm Kraus. - Alphons Lhotsky Geschichte des Instituts für österreichische Geschichtsfor­schung 1854-1954 (MIÖG Erg. 17 [1954]) 370f. - Gesamtinventar des Haus-, Hof- und Staatsarchivs 1 (Wien 1936) 75 und laut Index in den Bänden 2, 4, 5. - Inventar des Kriegsarchivs Wien 1 (Wien 1953) 59 und laut Index. - Verzeichnis der Archivare, hg. vom Verein deutscher Archivare (Wiesbaden 121975) 308. - Das Kriegsarchiv im Dien­ste des „ASVG-Betriebes“ (Berichte und Informationen 18 [1963] H. 894 14f: Interview mit Wilhelm Kraus). — Mündliche Auskünfte von wirkl. Hofrat Dr. Walter Winkelbau­er, Direktor des Finanz- und Hofkammerarchivs, für die der verbindliche Dank ausge­sprochen wird. Otto Friedrich Winter (Wien) HANNS LEO MIKOLETZKY (1907-1978) Am 9. März 1978 fand in den Abendstunden im Kongreßzentrum der Wiener Hofburg ein Vortrag des bekannten Tübinger katholischen Theologen Hans Küng über die Frage nach Gott in der Gegenwart statt. Veranstalter war das Renner-Institut der Sozialistischen Partei Österreichs, die seit langem um ein neues Verhältnis zu Kirche und Religion bemüht war. Die Organisatoren hat­ten ursprünglich nur mit der halben Zahl der dann wirklich erschienenen Teilnehmer gerechnet, und man mußte erweiterte Möglichkeiten für die zu­sätzlichen Zuhörer schaffen, der Vortrag begann mit Verspätung. In der da­mit verbundenen Unruhe erlag der pensionierte Generaldirektor des öster­reichischen Staatsarchivs, Univ.-Prof. w. Hofrat Dr. Hanns Leo Mikoletzky, der schon seit Jahren an Herzbeschwerden gelitten hatte, einem Schlaganfall. Dem tragischen Geschehnis haftet unverkennbar ein symbolhafter Zug an.

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