Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Gottfried MRAZ: Die Bedeutung des „Anschlusses“ für die Beurteilung des Nationalsozialismus durch die römische Jesuitenzeitschrift „Civiltä Cattolica“

510 Gottfried Mraz . . siamo autorizzati a comunicare, come constatazione di fatto e prescindendo da qualsiasi considerazione o questione di ordine politico, ehe essa [d. i. die besagte Er­klärung] fu formulata e sottoscritta senza alcuna previa intesa o posteriore approva- zione della Santa Sede, e sotto la unica responsabilitä dell’Episcopato medesimo“37). In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, daß die Chronik den Besuch des Wiener Oberhirten, Kardinalerzbischofs Innitzer, bei Hitler mit keinem Wort erwähnte. Zur Klärung der reichlich verworrenen Situation unternahm der Wiener Kardinal auf die dringliche Einladung des Vatikans zu Beginn des Monats April eine Reise nach Rom. Während seines römischen Aufenthaltes gab er am 6. April namens des gesamten österreichischen Episkopates eine Erklä­rung ab, die dessen Haltung zur Anschlußfrage unter dem Eindruck der kri­tischen Reaktionen der Katholiken aus aller Welt im Sinne des Vatikans prä­zisierte. Die „Cronaca“ übernahm die italienische Fassung dieser Stellung­nahme aus dem Osservatore Romano38). Die vorausgesagten und erwarteten Ergebnisse der Volksabstimmung im Reich und in Österreich über den An­schluß wurden von der Civiltä Cattolica kommentarlos registriert39). Ihr Hauptaugenmerk galt nunmehr dem Kirchenkampf in Österreich40). Die neue Ehegesetzgebung, die auch in Österreich die Möglichkeit einer staatli­chen Ehescheidung brachte, beurteilte sie als einen Exzeß der in Deutschland herrschenden rassistischen Ideologie41). Im Sommer 1938 verschärfte sich zu­sehends die Verfolgung der Katholiken im Deutschen Reich. Die Chronik empörte sich über die Schließung der katholischen Privatschulen und über die Abschaffung des Religionsunterrichtes im ehemaligen Österreich, über die Behinderungen der Krankenseelsorge und besonders über die Ereignisse in Wien am 8. und 9. Oktober 1938, als Hitlerjugend und SA-Gruppen das erzbischöfliche Palais stürmten und verwüsteten42). Die theoretische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus führte in der Civiltä Cattolica Enrico Rosa ganz im Banne der österreichischen Ereig­nisse weiter43). Er war überrascht, ja zutiefst betroffen von der Haltung der österreichischen Katholiken gegenüber dem Nationalsozialismus: ,,Lo spetta- colo sopratutto del pronto e inatteso entusiasmo di molti cattolici, piü che semplice adattamento o soggezione dignitosa alia nuova autoritä costituita, appariva ai lontani una prostrazione di inesplicabile avvilimento“44). Rosa warf den Nationalsozialisten vor, daß sie die Erklärung der Bischöfe Öster­reichs zur Volksabstimmung in falscher Weise propagandistisch ausgewertet 37) CC 1938-11 189. 3S) CC 1938-n 190f. 39) CC 1938-n 284. 40) CC 1938-11 379. 41) Die „Cronaca“ schreibt dazu: „Questi pochi accenni bastano a dimostrare a quali eccessi puö condurre l’ideologia razzista, almeno cotn’é professata in Germania“ (CC 1938-III 281). Vgl. dazu CC 1938-III 382 f. 42) CC 1938-m 565-567; 1938-IV 277f; 1939-1 181 f. 43) Enrico Rosa Nuova orientazione o disorientazione in CC 1938-11 400—413. 44) CC 1938-11 400.

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