Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Otto F. WINTER: Die italienische Kriegsarchivdelegation nach dem Ersten Weltkrieg

Die italienische Kriegsarchivdelegation 449 chivdelegation in die Überwachung der Sperrfristen und die wechselseitige Übergabe des Schriftgutes gemäß dem Durchführungsprotokoll von 1924 eingeschaltet war26). Hingegen wurde die Ausforschung und Übergabe der militärischen Personalunterlagen nun italienischer Staatsangehöriger aus den abgetretenen Gebieten nicht im Wege der Delegierten, sondern unter der Lei­tung des italienischen Militärattaches, Conte Franchini-Stappo, vorgenom­men27), ebenso die Übergabe von acht Kisten Krankengeschichten an Öster­reich28). Nach dem Tode Veltzés wurde von Seite Italiens wieder eine prominente, sachkundige Persönlichkeit zum Archivdelegierten beim Kriegsarchiv er­nannt, Feldmarschalleutnant Albert Baron Margutti (1869-1940). Geboren in Fiume, hatte er von 1900 bis 1917 in der Generaladjutantur Kaiser Franz Josephs und anschließend im Kriegsarchiv als Vizedirektor gedient und war dann - schon als italienischer Staatsbürger - mit einem vielbeachteten, in mehrere Sprachen übersetzten Erinnerungswerk unter dem Titel Vom alten Kaiser an die Öffentlichkeit getreten29). Seine Tätigkeit als Delegierter be­wegte sich im gleichen Rahmen wie die seines Vorgängers. Er beschäftigte sich mit den Quellen zum Ersten Weltkrieg und vermittelte diesbezügliche Ausarbeitungen an italienische Forscher, vor allem für die Abfassung des Werkes L’Esercito Italiano nella Grande Guerra 191 5-191 8 30). Anläßlich des Speichereinbaues im Archivgebäude im Jahre 1929 mußten auch die darin untergebrachten Archivdelegationen Ungarns, der Tschechoslowakei und Ita­liens — letztere umfaßte neben dem Delegierten zwei Sekretärinnen - Ein­Urkunden Dalmatiner und Fiumaner Provenienz wurde negativ beantwortet (Zahl 2150/1929). - Rudolf Kiszling Beitrag zur Chronik des Kriegsarchivs für die Zeit der Direktionsführung durch Dr. h. c. Edmund von Glaise-Horstenau (Handschrift in der Registratur des Kriegsarchivs) 18 f wirft in diesem Zusammenhang Glaise „heute un­verständliche Bindungen“ zu Salata vor und betont die Schwierigkeit der Verhandlun­gen. 26) Registratur des Kriegsarchivs ZI. 1299/1925. - Beilage 1, Punkt IV des Proto­kolls (Vgl. Anm 17): Registratur des Kriegsarchivs ZI. 602, 1249, 2037, 2221/1925, 331/1927. - Die Rückgabe der „Amtsschriften“ des Feldmarschalleutnants Neipperg, Ehrenkavaliers und zweiten Gemahls der Erzherzogin Maria Luise, Herzogin von Parma, wurde mit dem Argument, daß es sich ausschließlich um Schriftstücke aus sei­ner militärischen Tätigkeit handle, die somit einen integrierenden Bestandteil der Al­ten Feldakten bildeten, mit Erfolg verweigert (ZI. 2123/1925). 27) Registratur des Kriegsarchivs, ZI. 2546/1925, 509, 888, 1388, 1480, 1625/1926, 57/1927, 453, 1040, 1625/1928, 420, 424, 690/1929 (in einzelnen Fällen konnte Anforde­rungen nicht entsprochen werden, weil die Personalakten schon an Jugoslawien abge­geben worden waren). 28) Ebenda ZI. 2147/1926. 29) Kriegsarchiv Personalakten, Qualifikationslisten Fasz. 1884; österreichisches Biographisches Lexikon 6 (1975) 85f; Inventar des Kriegsarchivs 1 59; Registratur des Kriegsarchivs ZI. 1122/1927. Vgl. Stephan Verosta Albert Margutti und Kaiser Franz Josef in Wissenschaft und Weltbild 3 (1972) 215—223. 30) Registratur des Kriegsarchivs ZI. 27, 233/1930, 382/1933 und ZI. 430, 4392/1932 (Überreichung eines Exemplars an das Kriegsarchiv durch den italienischen Militärat- taché Oberstleutnant Umberto Fabbri). Mitteilungen, Band 31 29

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