Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas
Fritz FELLNER: Aus der Denkwelt eines kaiserlichen Botschafters a. D. Die Briefe des Grafen Monts an Josef Redlich aus den Jahren 1914/15
394 Fritz Fellner wenn wir uns jetzt schlapp zeigen, kommt der Krieg erst recht und dann in einem Moment, wo die Chancen vielleicht ebenso gegen uns, wie heute für uns stehen. Hoffentlich bringen die nächsten Tage die Kunde vom Überschreiten der Donau. In aufrichtiger Verehrung der Ihre A. M. Haimhausen, 26. August 1914 Mein verehrter Professor! Einen Brief von Ihnen vom 1. August erhielt ich vor drei Tagen, Briefe von mir sind wohl nicht in Ihre Hände gelangt. Ich weiß auch nicht, wo Sie sind. Aber auf alle Fälle will ich versuchen via Velics (die p. a. lehnte ab, ich hoffe aber auf andere Wege) Ihnen ein paar Zeilen zu senden. Die Sache mit Italien dräut noch immer. Wir versuchen Alles bei Ihnen, um Sie zu Konzessionen und Versprechungen zu veranlassen. Leider gibt der Bündnis-Vertrag, dessen Aufhebung ich so dringend einst befürwortete, den elenden Schuften Handhaben. Es scheint, als wenn Sie auch in dieser Beziehung sich sehr spröde gezeigt hätten. In einem solchen Falle muß man 5 grad sein lassen: die Abrechnung auf später verschieben. Sie haben ja viel Einfluß und denken genau so wie ich, treten Sie doch bitte nachdrücklich dafür ein, daß man den Italienern entgegen kommt. Wenn sie das Trentino besetzen, so begnügen Sie sich mit einem Protest. Wir haben absolut keine Truppen mehr für den Süden. Der Westen nimmt uns ganz in Anspruch, da die belgischen und englischen Armeen doch auch niedergekämpft werden müssen. Übrigens sind nach ganz frisch aus dem Hauptquartier mir zugehenden Nachrichten die Siege noch ergiebiger, wie man annahm. Aber auch unsere Verluste sind groß, namentlich auch an den nicht zu ersetzenden Offizieren. Im Osten ist es kritischer. Eine neue Südfront fände uns ohne Möglichkeit, Truppen dort aufzustellen. Baiem z. B. entsandte selbst die Landwehr II. Aufgebot an den Rhein. Hier blieben nur Landsturm und Rekruten, n. b. ohne Offiziere. Also den Italienern zunächst Alles versprechen. Präsentieren sie beim Friedensschluß den Wechsel, dann sofortige Kriegserklärung und dann geht Verona p. p. flöten. Aber jetzt können wir keinen neuen Feind gebrauchen, auch volkswirtschaftlich absolut nicht. Valet für heute, möge es weiter gut gehen. Es geht ja jetzt auch Alles um Alles, da müssen die üblichen Ballhaus-Zimperlichkeiten und der dortige Hochmut für den Augenblick an den Nagel gehängt werden. In größter Eile stets der Ihre A. Monts Haimhausen, 12. September 1914 Verehrtester Herr Professor! Vorgestern sandte ich Ihnen einen offenen Brief, heute kann ich durch Freund Oppenheimer einen verschlossenen Brief an Sie expedieren. Erreicht ist bis heute Unendliches; negativ, daß ein Besiegtwerden ausgeschlossen ist, positiv, daß in Frankreich die Arbeit zu 314 getan ist und daß auch im Osten erhebliche Breschen in die feindliche Armee geschossen wurden. Es sind von uns drei Korps nach Polen gesandt, ich weiß nicht ob nach Preußen oder mehr südlich, das werden Sie ja am besten ersehen, aber es dürfte damit das Gleichgewicht der Kräfte hergestellt sein. Jedenfalls ist bisher