Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Fritz FELLNER: Aus der Denkwelt eines kaiserlichen Botschafters a. D. Die Briefe des Grafen Monts an Josef Redlich aus den Jahren 1914/15

390 Fritz Fellner niedergelassen hatte — fanden ihre Ergänzung in einem Briefwechsel, der be­sonders in den Jahren 1913 bis 1915 relativ dicht gewesen ist. Im Nachlaß Redlich finden sich Photokopien von insgesamt 33 Briefen aus der Zeit vom 28. Jänner 1913 bis zum 18. November 1921. Die Briefe wurden also in einer Zeit geschrieben, in der Monts nicht mehr aktiv an der Gestaltung der deut­schen Außenpolitik mitwirkte, sie verlieren dadurch allerdings kaum an hi­storischer Bedeutung, denn Monts war auch nach seiner Verabschiedung in enger Verbindung mit dem Auswärtigen Amt in Berlin geblieben. Einige Jahre hindurch machte er sich noch Hoffnung auf eine Reaktivierung; vor seinem Abgang aus Rom hatte er ja damit gerechnet, den Botschafterposten in Wien zu erhalten, doch war an seiner Stelle Tschirschky ernannt worden. Mit Jagow, der nach dem Tode Kiderlens 1913 Staatssekretär geworden war, stand Monts seit den Tagen in Verbindung, als dieser ihm in den Anfängen seiner römischen Botschafterzeit als Botschaftsrat zur Seite gestanden war. Briefe wie Erinnerungen lassen außerdem erkennen, daß Monts enge persön­liche Kontakte zum deutschen Generalstab gehabt hat. Die Einsichten in die große Politik, die ihm durch diese persönlichen Verbindungen geboten wur­den, fanden bald ihren Niederschlag in gelegentlichen politischen Aufsätzen, in denen Monts in Tageszeitungen, vor allem im Berliner Tageblatt, außen- und weltpolitische Fragen kommentierte8), um die öffentliche Meinung im Sinne der Regierungspolitik zu beeinflussen. Bald nach Kriegsbeginn jedoch wurde Monts noch einmal mit einer diploma­tischen Mission betraut, - wenn auch in inoffizieller Form: Vom 12. bis 22. November 1914 führte Monts im Auftrag des deutschen Auswärtigen Am­tes in Wien Gespräche mit führenden Staatsmännern, darunter auch mit Au­ßenminister Berchtold und Finanzminister Buriän. In der Wilhelmstraße in Berlin war man vom Beginn des Krieges an überzeugt gewesen, daß die mili­tärische Lage es unabdingbar mache, Italien und Rumänien um jeden Preis auf der Seite der Zentralmächte zu halten, und man begann schon früh mit den Bemühungen, den österreichisch-ungarischen Verbündeten unter Druck zu setzen, um ihn zur Erfüllung italienischer territorialer Kompensations­wünsche zu veranlassen9). Von seiten des deutschen Auswärtigen Amtes hatte man die italienische Regierung schon sehr früh ziemlich offen wissen lassen, daß sich als Preis für einen Kriegseintritt Italiens auf der Seite der Zentralmächte durchaus über eine „geheime Zusicherung“ für eine Abtre­8) Eine kleine Auswahl dieser Aufsätze wurde noch während des ersten Weltkrie­ges veröffentlicht: Graf Monts. Politische Aufsätze (Flugschriften des Berliner Tage­blatt 3, Berlin 1917). ®) Vgl. dazu zuletzt: Alberto Monticone La Germania e la neutralitä italiana (Bologna 1971) 104—115. Von österreichischer Seite gibt es bis heute keine umfassende Darstellung der Ereignisse vom Kriegsausbruch bis zum Kriegseintritt Italiens. Die Materialien des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien wurden verwertet in: Hermann Möcker Die Haltung Italiens August 1914 - Mai 1915 (ungedr. Hausarbeit für das Lehramt der Geschichte, Universität Wien 1962).

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