Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Edith WOHLGEMUTH: Prinz Johannes von und zu Liechtenstein als letzter k. u. k. Marineattaché in Rom 1912—1915

Prinz Johannes von und zu Liechtenstein 379 rineattachés eben eine politische Unterlassungssünde. Wenn er auch solchen persönlichen Beziehungen keine „übertriebene Rolle“ beimessen wollte, sah er in ihnen „doch einen positiven Faktor für eine größere Annäherung“24). Allerdings entwickelte der italienische König überhaupt wenig Neigung für den unter der Regierung seines Vaters abgeschlossenen Dreibund, reagierte auf „die Liebeswerbungen Kaiser Wilhelms“ ziemlich kühl und schenkte seine Sympathien eher Frankreich, am deutlichsten aber England25). Zu den Mißgriffen seiner Regierung zählt Prinz Liechtenstein auch ein De­kret des Statthalters von Triest26) betreffend die Entlassung von Reichsita­lienern im städtischen Dienst, das „die öffentliche Meinung Italiens . . . wie­der einmal gegen uns aufgepeitscht“ hatte. Er räumt freilich ein, daß diese Maßregel eigentlich „eine Selbstverständlichkeit“ gewesen sei, „aber man hatte eben früher, um nur ja keine Anstände mit dem vollkommen irre- dentistisch gesinnten Triester Magistrate zu haben, die Zügel allzu lange am Boden schleifen gelassen. Aber auch Hohenlohe selbst ist nicht von jeder Schuld freizuspre­chen, denn auch er hatte zu Beginn seiner Verwaltung damit begonnen, diesen ver­stockt antiösterreichischen Elementen zu schmeicheln. Und wenn er jetzt andere Sai­ten aufzog, so wußte er, daß er dadurch den Wünschen des Belvedere entgegen kam, endlich einmal mit der Leisetreterei Schluß zu machen und in das irredentistische Wespennest kräftig hinein zu stechen. Recht schön und gut, wenn nicht der leidende Teil dabei unsere Außenpolitik gewesen wäre“ 27). Außerdem hatte das Bekanntwerden jenes Dekrets „wie ein Blitz in einen Blumenhain“ eingeschlagen, gerade als sich das italienische Offizierskorps anschickte, eine österreichischfreundliche Manifestation zu veranstalten. Es hatte sich durch kaiserliche Ehrungen, die ihrem Marschall Caneva, einem seinerzeitigen Absolventen der Artillerie-Akademie zu Mährisch-Weißkir­chen, anläßlich eines Aufenthaltes ebenda und in Wien zuteilgeworden wa­ren, außerordentlich geschmeichelt gefühlt28). 24) Lage 4f. 25) Erinnerungen 1, 12. 26) Prinz Konrad Hohenlohe-Schillingsfürst war 1904-1915 Statthalter von Triest. Zum Dekret vom 18. August 1913 vgl. Hugo Hantsch Leopold Graf Berchtold 2 (Graz 1963) 479. 27) Erinnerungen 11. 28) Lage 5f. General Carlo Caneva (1845-1922) war 1862—1866 Zögling der Artille­rie-Akademie, nicht, wie Prinz Liechtenstein irrtümlich angibt, der Maria Theresiani­schen Militärakademie gewesen, 1866 Unterleutnant im 7. Artillerie-Regiment, ab 1867 in italienischen Diensten. Die Artillerie-Akademie in Mährisch-Weißenkirchen wurde 1869 mit der Genieakademie in Klosterbruch bei Znaim vereinigt und als Technische Militärakademie in Wien, ab 1904 in Mödling ungeteilt weitergeführt. Ab dem Schul­jahr 1913/14 wurden die Pionierklassen in Hainburg gesondert untergebracht. Die Einladung an General Caneva erfolgte anläßlich der Feier der letzten Ausmusterung der ungeteilten Technischen Militärakademie am 18. August 1913, deren Höhepunkt die Enthüllung des Kaiser Franz Joseph-Standbildes darstellte. Am 22. August 1913 wurden General Caneva und die ihn begleitenden Offiziere vom Kaiser durch die Ver­leihung des Großkreuzes des St. Stephan-Ordens, bzw. anderer hoher Dekorationen ausgezeichnet. Vgl. Festschrift zur Enthüllung des Kaiser Franz Joseph Standbildes in der Technischen Militär-Akademie zu Mödling am 18. August und zur Eröffnung ihrer Pionierklassen zu Hainburg a. D. am 4. Oktober 1913 (Mödling 1914).

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