Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Adam WANDRUSZKA: Leopold II., die „Welschen Confinen“ und die Stände Tirols

Leopold II., die „Welschen Confinen“ und die Stände Tirols 159 rende Freimaurer der welschtirolischen Gebiete und Mitglieder der „Acade­mia degli Agiati“ von Rovereto eine wichtige Rolle spielten: „ü 9 Maggio 1790 a Sacco, nella casa del Nob. Signor Felice Baroni17 *) e alia presenza deU’illustrissimo Signor Adalberto Barone di Becken Consigliere aulico di S. M., il quale alloggia nella suddetta casa in occasione del suo passaggio da Milano a Vien­na . . ,“ls). Dieser Georg Adalbert von Beeckhen (die Schreibweise des Namens wechselt zwischen Beckhen, Bekhen, Becken und Beeckhen) war Hofrat bei der Hofre­chenkammer und erhielt während des letzten Aufenthalts des damaligen Großherzogs Leopold in Wien im Juli 1784 von Kaiser Joseph den Auftrag, dem Großherzog die Aufstellungen über das eingezogene Kirchengut des „Religionsfonds“ zu zeigen und zu erläutern, das die von Beeckhen geleitete Stiftungen-Hofbuchhalterei verwaltete19). Später wurde er von Kaiser Jo­seph nach Mailand gesandt und, angeblich „wegen verdächtiger Korrespon­denz mit dem Preussischen Minister“20), 17 90 wieder nach Wien zurückbeor­dert. Nach Leopolds Tod in den Verdacht geraten, „ein Chef der Illuminaten in Wienn“ zu sein, und von Kaiser Franz im August 1792 streng verwarnt, hat er in einer Justification betont, er habe seit 1782 „bey der Hofrechen­kammer allhier, ausser dem mir obliegenden Departemente in mehr als einem wichtigen Geschäfte gearbeitet, welches die Acten bezeugen“21), - eine für die geheimen Mitarbeiter Leopolds geradezu typische Formulierung. Er gehörte so jedenfalls in die Kategorie jener Männer, deren sich Leopold gerne für seine geheimen Aktionen bediente, und seine Anwesenheit im Ge­biet der „Welschen Confinen“ gerade im Frühjahr 1790 dürfte vermutlich doch kein Zufall gewesen sein. 17) Felice Baroni di Cavalcabö di Sacco. Sein Haus in Rovereto war ein Zentrum der Trentiner Freimaurerei. Vgl. Antonio Zieger I franchi muratori del Trentino (Trento 1925) 28. Ich verdanke diese und die folgenden Angaben gleichfalls Mrs. Mi­riam Levy. ls) Savino Pedroli Un Capitolo di storia roveretana (1770-1801) in Atti della I. R. Accademia di Scienze Lettere ed Arti degli Agiati in Rovereto ser. Ill, 9 (1903) 159. 19) Der Präsident der Hofrechenkammer Graf Carl von Zinzendorf, vermerkte am 5. Juli 1784 in seinem Tagebuch: „De retour au logis Bekhen un peu consterné vint me parier. L’Empereur veut qu’il montre au Grand Duc les tabelles des biens du Clergé. n y alia et S. A. R. lui donna rendezvous pour apresdemain matin“ (HHStA Tagebuch Zinzendorf). In der von Leopold diktierten Relazione dei viaggio e soggiorno fatto da S. A. R. in Vienna nel luglio 1784 (HHStA SB 16 pag. 142f) wird Beecken („un certo Pech“) charakterisiert als „uomo di attivitä ed abilitä che ha 400 impiegati sotto la sua direzione“. - Auch in den von Hans Wagner ausgewählten, übersetzten, eingeleiteten und kommentierten Stellen des Zinzendorf-Tagebuchs wird Beeckhen einige Male er­wähnt. Vgl. Hans Wagner Wien von Maria Theresia bis zur Franzosenzeit. Aus den Tagebüchern des Grafen Karl von Zinzendorf (Jahresgabe der Wiener Bibliophilen Ge­sellschaft zu ihrem 60jährigen Bestand, Wien 1972). 20) HHStA Kabinettsarchiv, Vertrauliche Akten 41 (alt 62) n. 14: Justification des Hofrath Becken über die Vorwürfe, so S. M. ihm den 19. August 1792 gethan haben, Il­luminaten Sachen Index. 21) Ebenda.

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