Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Georg WACHA: Italienische Zinngießer nördlich der Alpen

112 Georg Wacha So bemühte sich in den Jahren 1682/83 Johann Ernst Brenner, der Sohn eines Buch­druckers aus Lüneburg, um die Aufnahme als Zinngießermeister in seiner Geburts­stadt. Das dortige Kannengießeramt widersetzte sich aber, da er sich niemals um die Meisterschaft gebührend beworben, als Geselle sich in Reval mit einer Meisterswitwe verlobt und diese hernach sitzen gelassen habe. Als er dann in Harburg seinen Le­bensunterhalt suchte, habe er dort sein Handwerk getrieben „ohn Begrüßung der Mei­ster, als ein Bönhase oder Störer“, man könne ihn daher nicht in Lüneburg anneh­men40). In den meisten Fällen sind aber unter den „Störern“ ausländische, in Mittel­europa meist italienische Zinngießer zu verstehen. Bis nach Skandinavien scheint diese Welle aus dem Süden allerdings nicht gekommen zu sein. Im Jahre 1583 erneuerten die Meister des Kannengießerhandwerks zu Speyer ihre Bit­te, wie in der Kurpfalz die welschen Plattengießer gleich an der Stadtpforte mit ih­ren Werkzeugen abzuweisen. So mache es auch die Stadt Worms, weil die Störer aus den gefreiten geistlichen Häusern sonst nicht zu vertreiben wären (H. 5 1128). Wenige Jahre später betrieb Bartel, ein Mailänder, 1589 als Störer sein Handwerk in Speyer. Die Meister des Kannengießerhandwerks beschweren sich über ihn am 4. September 1589; der Rat verfügt, daß der Störer mit seinem Zeug aus der Stadt gewiesen werden soll (H. 6 1310). Im Jahre 1597 hat der Zinngießer Hans Ulrich Erhärt den Markgrafen Ernst Friedrich von Baden und Hochberg gebeten, die Hausierer in der oberen Markgrafschaft Baden nicht mehr länger zu dulden. Erhärt und der Kannengießer Wilhelm Mülff baten am 19. Juli 1608 den Markgrafen Georg Friedrich von Baden neuerdings, die welschen Flicker und Hausierer abzuschaffen (H. 5 349, 350). Der Zinngießer Samuel Wieland in Isny, seit 1589 dort genannt, siegelt im Jahre 1609 ein Schreiben nach Memmingen, in dem die Isnyer Meister über einen welschen Zinngie­ßer berichten, der angeblich in der Reichsstadt Wangen das Handwerk mit vier Gesel­len betrieb (H. 5 1323). Die Zinngießer Hans Otterer, Conrat Otterer und Jacob Mantz aus Pforzheim beklagen sich zusammen mit den Ettlinger und Durlacher Meistern am 26. Mai 1613 bei Georg Friedrich Markgraf von Baden über einen „welschen Stümp­ler“, der sich seit ungefähr drei Wochen eingeschlichen habe und besonders in Durlach in den Häusern arbeite (H. 6 957). Als man sich in Linz 1655 um eine allgemeine Handwerksordnung bemühte, legten die Zinngießer nur ein Patent des bayerischen Statthalters Graf Her- berstorff vom Jahre 1622 vor, in dem die Abschaffung der fremden Zinngie­ßer, Störer und Stümpler angeordnet wurde41). Wieso man damals die Linzer Ordnungen aus der Zeit um 1600 und von 1615 nicht vorwies, wo auch Be­stimmungen gegen „störer, landtfahrer, haussierer und stimpler“ enthalten sind, läßt sich nicht mehr eruieren42). 40) Wilhelm Reinecke Lüneburger Zinn. Das Amt der Lüneburger Zinngießer (Lüneburg 1947) 43. - Über den Hausierhandel in den nordischen Ländern (mit zahl­reichen Details, die auch auf die italienischen Zinngießer vergangener Jahrhunderte zutreffen) vgl. Göran Rosander Peddling in the Nordic Countries in Ethnologia Europaea 9 (Göttingen 1976) 123ff, besonders 150f. 41) Georg Grüll Die Linzer Handwerkszünfte im Jahre 1655. Ein Beitrag zur Ge­schichte der Entstehung der allgemeinen Handwerksordnung in Jahrbuch der Stadt Linz 1952 (Linz 1953) 277 n. 11. 42) Robert M. Vetter - Georg Wacha Die Linzer Zinngießer (Wien-München 1967) 65, 69. Von den „Störern und Frettern“ handelt ein Artikel in der Handwerks­ordnung für die steirischen Zinngießer vom 20. März 1592, eine Verfügung Ferdi-

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