Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)
Rezensionen
Rezensionen 485 gereichte, im naturalistischen Stil gehaltene Abbildung des gewünschten Wappens den Steinbock mit einem silbrig-grauen Fell zeigt. Die äußere Ausstattung und die Farbreproduktionen dieses wertvollen Sammelwerkes lassen ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Es wäre nur zu begrüßen, wenn auch die übrigen Bundesländer diesem von Vorarlberg gesetztem Beispiel nachfolgen — Ansätze dazu sind ja schon vorhanden — und jeweils nach Abschluß der Orts Wappenverleihungen umfassende Publikationen herausgeben. Andreas Cornaro (Wien) Max W e 11 i n Die „Laaer Brief Sammlung". Eine Quelle zur inneren Geschichte Österreichs unter Ottokar II. Pfemysl (Veröffentlichungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 21). Hermann Böhlaus Nach!, Wien-Köln-Graz 1975. 152 S. Konrad Josef Heilig hatte 1936 an entlegener Stelle unter dem Titel Aus einer österreichischen Stadtschule des 13. Jahrhunderts (Reichspost vom 1. März 1936) zum ersten Mal auf die Sammlung von 75 Briefen im ehemals Mondseer Codex cvp. 901 aufmerksam gemacht, die ihn vor allem wegen ihres kulturgeschichtlichen Gehaltes ansprach. Fast 30 Jahre später wurde das Interesse Alphons Lhotskys auf die kleine Kollektion — die in seiner 1963 erschienenen Quellenkunde nicht erwähnt wird — gelenkt; im Wintersemester 1967/68 legte er in seinen Übungen zur Editionstechnik am Institut für Österreichische Geschichtsforschung u. a. diese Briefsammlung vor. Die ursprünglich wohl geplante Edition unterblieb indes durch das Ableben des großen Gelehrten im Juni 1968. Der Anregung Heinrich Fichtenaus ist es zu danken, daß W. die Bearbeitung übernahm. Es versteht sich, daß man mit besonderem Interesse nach der nun vorliegenden Edition greift, wenn man selbst zu den Teilnehmern jener quellenkundlichen und editionstechnischen Übungen Lhotskys gehört hatte. Um es gleich vorauszuschicken: Das Gebotene übertrifft alle Erwartungen, die man gemeinhin an eine Edition zu stellen gewohnt ist. Die vom Herausgeber so benannte „Laaer Briefsammlung“, eine wohl 1264 in Laa a. d. Thaya entstandene Chronik in Briefform („Briefchronik“), liegt in einer einzigen, noch dem 13. Jahrhundert angehörenden Überlieferung vor. Als Autor bzw. Kompilator konnte W. überzeugend den Scholaster Siegfried von Laa, der bereits 1237 in dieser Stellung genannt wird, wahrscheinlich machen. Zum Zeitpunkt der Abfassung stand er im Dienste Kadolts von Wehing, des „capitaneus civitatis“; der „Aufstieg seines Herrn, eines ursprünglich wenig bedeutenden miles, in die Spitzengruppe der österreichischen Ministerialität“ (S. 16) ist das eigentliche Thema der Briefchronik. In Siegfried von Laa tritt uns eine als Typ hochinteressante Persönlichkeit entgegen (Einzelheiten S. 17—21). Er wird in den Briefen meist als „magister“ bezeichnet und nennt sich auch selbst so, in Brief 5 übrigens auch „provisor puerorum in arte litterali“. Ob dies eine Tätigkeit an einer Stadtschule in Laa oder eher — wie W. annimmt — an einer Privat