Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung

Sammelreferate 467 als zutreffend empfunden werden, muß man festhalten, daß seine Arbeit mit ihren imponierenden Zusammenstellungen, Tabellen, Verzeichnissen von Quellen und Schrifttum für die allgemeine österreichische Zeitge­schichte, vor allem aber für die Geschichte der österreichischen Arbeiter­bewegung in einer kritischen Phase von großem Wert ist und grundlegend bleiben wird für weitere Forschungen. Von dem Salzburger Universitätsassistenten Ernst Hanisch liegt jetzt eine vergleichende Studie über die ideengeschichtliche Entwicklung der deutschen Sozialkatholiken und der Sozialisten im Druck vor 14 *). Der Vf. verknüpft an den Beispielen der führenden Theoretiker (auf katholi­scher Seite Adam Müller, Baader, Ketteier, Vogelsang u. a., auf soziali­stischer Seite Lassalle und Marx) die Geschichte der Ideologien mit einer historischen Ideologiekritik, die freilich von Kategorien unserer Gegen­wart bestimmt ist. H. kommt dabei die historisch-methodologische Pro­blematik dieses Verfahrens kaum zu Bewußtsein. Auch Österreich wird — etwa mit Böhm-Bawerk — in die Untersuchung einbezogen, stets wer­den die sozialgeschichtlichen und ökonomischen Hintergründe im Auge behalten. Bei allen Vorbehalten im einzelnen haben wir es hier mit einer Arbeit zu tun, die in mancher Hinsicht durchaus als bahnbrechend be­zeichnet werden darf, da sie bisher vernachlässigte Bereiche erschließt und in ihren Analysen auch philosophische und theologische Aspekte kritisch reflektiert. Es gelingt so z. B. dem Vf. auf dem Gebiet der Ökonomie die Ursachen für die fundamentale Schwäche der politischen Romantik, wie auch das Manko der sozialistischen Theorien gerade im Hinblick auf Fragen der Praxis nachzuweisen. Die gemeinsame Front der Sozialisten und Sozialkatholiken gegen den Liberalismus bleibt letzten Endes histo­risch wirkungslos. Der persönlich an seinem Thema stark engagierte Autor resümiert nicht ohne Bitterkeit über die Opfer auf beiden Seiten: Die Entscheidung Theismus-Atheismus ist im Grunde die einzige Frage, die kontrovers bleiben muß. Als Band 100 der renommierten Schriftenreihe der Ebert-Stiftung ist in der Bundesrepublik als nachgelassenes Werk von Georg Eliasberg die lang erwartete Studie über den Ruhrkrieg 1920 erschienen16). Der Vf., der als Zeithistoriker stets den seit 1945 im Schwange befindlichen Ebert-Kult der SPD abgelehnt hat (wie Richard Löwenthal in seiner als Nachruf zu wertenden Einleitung hervorhebt), behandelt die Massenbe­wegung im Ruhrgebiet, die als Folge des Kapp-Putsches entstanden war und im weiteren Verlauf blutig niedergeschlagen wurde. Die Leitung die­ser großen, revolutionären Bewegüng lag bei der USPD, doch waren zeitweise besonders im Westen des Ruhrgebietes Kommunisten und Syn­14) Ernst Hanisch Konservatives und revolutionäres Denken. Deutsche Sozialkatholiken und Sozialisten im 19. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Instituts für Kirchliche Zeitgeschichte am Internationalen Forschungszentrum für Grundfragen der Wissenschaften Salzburg. Serie II: Studien 3). Geyer- Edition, Wien — Salzburg 1975. 368 S. 16) Georg Eliasberg Der Ruhrkrieg von 1920 (Schriftenreihe des For­schungsinstituts der Friedrich-Ebert-Stiftung 100). Verlag Neue Gesellschaft GmbH, Bonn—-Bad Godesberg 1974. XXI, 304 S. 30*

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