Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung
Sammelreferate 465 terem Leben, seiner Verhaftung und der gemeinsamen Flucht mit den Nationalsozialisten aus dem Linzer Gefängnis nach München. Wir erfahren die Hintergründe seines eigenartigen Verhältnisses zu den Nationalsozialisten und — in Zusammenhang mit seinem Aufenthalt in Moskau — zu den Kommunisten und lesen, wie er durch Friedrich Adler auf die Parteilinie gebracht wurde. Es überrascht bei seinen Idealen nicht, daß er sich unter den Nationalsozialisten den österreichischen Freiheitskämpfern anschloß, was nach bestialischen Verhören zu seinem Opfertod in Mauthausen führte. Bernascheks Rolle im Februar 1934 mag vom Zufall bestimmt gewesen sein, sein gesamtes Lebensschicksal ist beispielhaft und typisch für viele österreichische Schicksale jener Zeit. Auch unter diesen Gesichtspunkten gesehen, verdient die Arbeit unseren Dank. Uber den Februar 1934 berichtet, soweit davon Tirol betroffen war, unter Berücksichtigung der Vorgeschichte Gerhard Oberkofler in einer kleinen Studie 10). Die Arbeit enthält die wesentlichen Fakten über die im Verhältnis zu den östlichen Bundesländern freilich unbedeutenden Vorgänge und ist in der Beurteilung der handelnden Personen und der vorherrschenden Stimmungen nicht frei von ideologischer Einseitigkeit. Immerhin konnte der Vf. Archive benützen und legte einige wichtige zeitgeschichtliche Dokumente im Abdruck vor. Zusammen mit der Geschichte der Arbeiterbewegung in Tirol bis 1917 desselben Autors von 1976 haben wir jetzt auch für dieses Bundesland eine Bearbeitung auf Quellenbasis vorliegen, die die sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten hinreichend berücksichtigt. Was freilich in Zusammenhang mit Tirol als Mangel empfunden werden muß, ist die noch immer ungenügende Forschungslage auf dem Sektor der christlichen Arbeiterbewegung, vor allem in bezug auf die Frühzeit in Österreich. Hier ist vor kurzem ein Sammelband über die christlichen Gewerkschaften erschienenu). Diese mit Anmerkungen fundierte Gesamtdarstellung von 1867 bis in die Gegenwart ist die erste derartige Arbeit seit dem noch immer brauchbaren Werk von Hemala aus dem Jahre 1922. Die einzelnen Abschnitte wurden von verschiedenen Autoren bearbeitet, bis 1918 von Walter Schwimmer und Ewald Klinger, die Epoche von 1918 bis 1934 vom kürzlich verstorbenen Altmeister auf diesem Gebiet Gustav B 1 e n k und die Zeit von 1934 bis 1945 von Christi K 1 u r i k. Sie betont, daß 1934 die Einheitsgewerkschaften den christlichen Arbeiterorganisationen vom Heimwehrflügel des autoritären Regimes aufgezwungen worden seien. Franz G r ö ß 1, in dessen Händen auch die Gesamtredaktion lag, gibt abschließend einen Überblick für die Zeit von 1945 bis 1974. So brauchbar dieses handbuchartige Werk für die erste Information ist, die Lage bleibt in dieser Sparte weiterhin unbefriedigend. Die große Darstellung auf aktenmäßiger Basis steht noch aus. 10) Gerhard Oberkofler Februar 1934. Die historische Entwicklung am Beispiel Tirols. O. V., Innsbruck 1974. VIII, 118 S. Vgl. dsbe Arbeiterbewegung in Tirol. Ein Beitrag zu ihrer Geschichte vom Vormärz bis 1917. O. V., Innsbruck 1976. VII, 196 S. n) Die christlichen Gewerkschaften in Österreich, hg. von der Stiftung für die Pflege der Tradition der christlichen Arbeiterbewegung. Europaverlag, Wien 1975. 416 S. Mitteilungen, Band 30 30