Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

MIKOLETZKY, Lorenz: Achter Internationaler Archivkongreß Washington D. C. 1976

456 Lorenz Mikoletzky tional unterschiedlich. 26 Staaten beantworteten den „Fragebogen über Kassationsbedingungen und -probleme in verschiedenen Ländern“, sodaß ein guter Überblick über diese Frage gegeben werden konnte. Durch die ungeheure Papierflut und die damit verbundenen wirtschaftlichen Aus­wirkungen ist die Bewertung des neuzeitlichen Urkundenmaterials im Vergleich zu vergangenen Generationen in ganz neues Licht gerückt worden. Auch das Problem der Mikroverfilmung spielt hier eine große Rolle: Was soll verfilmt werden, was ohne Reproduktion vernichtet wer­den? Auch ist die Bewertung und Skartierung von maschinenlesbaren Dokumenten, die eine gewisse Sonderbehandlung erfahren müssen, noch nicht einheitlich geklärt, hat doch das Material für die automatische Da­tenverarbeitung nur eine kurze Lebensdauer (Lochkarten, Papierstrei­fen). Nach den jeweiligen Sitzungen hatten die Teilnehmer Gelegenheit, hi­storische Filme aus den Beständen des Nationalarchivs und der Kongreß­bibliothek zu sehen. Die zweite Plenarsitzung stand unter dem Generalthema Die technologi­sche Revolution, wobei der erste Referent A. P. Kurantow (USSR) über Fortschritte in der Wissenschaft der Archivverwaltung sprach. Auch er stützte sich auf eine Umfrage, bei der es in erster Linie darum ging, den Begriff „Archivverwaltung“ zu klären. Hier zeigte es sich wie bei den anderen Archivproblemen, daß die Definitionen voneinander ab­wichen. Allgemein wurde jedoch auf die große Bedeutung der Forschung für den Archivsektor hingewiesen; auch technische und naturwissenschaft­liche Forschung sind für die Verwaltung des Archivwesens nicht zu unter­schätzen (Archivbauten, Konservierung etc.). Mehrere Archive verfügen schon über oder sind an Computer-Anlagen angeschlossen, so die National Archives der USA, das englische Staatsarchiv, Kanada, die Tschecho­slowakei und die DDR. In Italien verwendet man ein „automatisches In­dexierungssystem, das auch das Wiederauffinden und die Ausgabe von Zusammenfassungen von Notariatsurkunden vorsieht“. Abschließend meinte Kurantow: „Eine der Hauptaufgaben ist anscheinend die Über­windung des terminologischen Hindernisses zur Verbesserung der gegen­seitigen Verständigung zwischen Fachleuten aus verschiedenen Archiv­schulen“. Lionel Bell vom Public Record Office in London ging näher auf Die archivalische Bedeutung von maschinenlesbaren Urkunden ein: „Der Ge­brauch von Computern in Amtsstellen ist noch relativ neu, sodaß die Do­kumente noch nicht zum Archivmaterial gehören“. In amerikanischen Hochschulen ging man jedoch schon seit längerem daran, Datenarchive zur Aufnahme und zum Verleih von computergerechtem Material zu schaffen. Bell wies jedoch auf die Kostspieligkeit des ganzen Unterneh­mens und auf die damit verbundenen technischen Probleme hin. Ein be­sonderes Moment, das psychologische Problem, verdient noch hervorge­hoben zu werden: Es läßt sich eine gewisse Unwilligkeit von Seiten der

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