Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)
MIKOLETZKY, Lorenz: Achter Internationaler Archivkongreß Washington D. C. 1976
Achter Internationaler Archivkongreß 457 Archivare feststellen, sich überhaupt mit diesen Dingen zu befassen. „Sie fühlen sich abgestoßen durch die mutmaßlichen Schwierigkeiten, durch die Fachsprache der Statistiker und Computer-Techniker und vielleicht am allermeisten durch den Ruf der Computer in der computerlosen Welt. Obschon die Existenz dieser Unwilligkeit erwähnt werden sollte, liegt es nicht an mir, Gegenargumente — oder gar eine Therapie — vorzuschlagen. Ich erlaube mir dies bloß in einem Punkt: Falls die Archivare diese Verpflichtungen nicht übernehmen, werden andere einspringen und es für sie tun; denn die Nachfrage ist vorhanden“, meinte Bell. An ihn schloß die Direktorin des Centro Nációnál de Microfilm in Madrid Carmen Crespo mit Technische Fortschritte in der Erhaltung und Reprographie von Archivdokumenten an. Wesentliche neue Richtungen und Errungenschaften in Planung, Bau und Verwaltung von Archiven, Technologie der Konservierung und Restaurierung, Einrichtungen und Methodenlehre (auch in bezug auf audio-visuelles, kartographisches und sonstiges, nicht herkömmliches Material) und in den Bereichen der Reprographie (Mikrofilm und andere Mikroform-Verfahren, Faksimile-Reproduktionen-usw.) standen im Mittelpunkt dieser Ausführungen. Die dritte Plenarsitzung Die Revolution im Bereich des Zugangs und der Benutzung wurde mit dem Referat von Iván Borsa (Ungarn) Der wachsende Kreis von Archivbenutzern in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs eröffnet. Nicht nur das Archivgut selbst nahm zu, sondern auch die Benützergrenzen wurden erweitert. „Die von allen Seiten, einschließlich der Benützerkreise, an die Archive und Archivare gestellten Anforderungen bringen stets wechselnde und zunehmende Lasten mit sich. Um auf jeden vernünftigen Wunsch einzugehen, müssen sich die Archive, wie auch deren Aufsichtsbehörden, mit höchst komplizierten Problemen befassen, die heute für die Archive aller fünf Kontinente charakteristisch sind“. Der Direktor des indischen Nationalarchivs S. N. Prasad äußerte sich dann über Die Liberalisierung von Zugang und Benutzung. 1948 hatte der Internationale Archivrat anläßlich seiner Gründung schon als eines seiner Hauptziele „die Förderung der vermehrten Benutzung von Archiven und des objektiven Studiums ihrer Dokumente durch weitgehendere Bekanntmachung ihrer Inventare und Erleichterungen beim Zugang“ festgelegt. 1966 wurde eine wesentliche Liberalisierung der Zugänglichkeit durch Verkürzung der Sperrzeit und Verfügbarmachung gewisser Aktenkategorien oder -serien zu Forschungszwecken auch während der Sperrzeit empfohlen. Aber auch in den folgenden Jahren setzte sich der Archivrat für großzügigere Öffnung gegenüber dem Benützer ein: „Im letzten Jahrzehnt zeigte sich eine deutliche Tendenz, Dokumente jüngeren Datums für historische Forschungsarbeit freizugeben. Während den Gelehrten vor zehn Jahren im allgemeinen nur mindestens fünfzigjährige Dokumente zugänglich waren, stehen ihnen heute gewöhnlich dreißig Jahre alte Akten offen“. Ein Ausblick auf die Zukunft, meinte Prasad, verspricht noch