Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

WEINZIERL, Michael: Das Commonwealth vom Aufstand der Presbyterianer bis zum 2. Staatsstreich der Armee 1659

Das Commonwealth 1659 31 schneiden“ 167). Monk prägte den Begriff selbständige Korporation' (sepa­rate corporation) im Zusammenhang mit der Erneuerung der Forderung, kein Mitglied der Armee außer durch das Urteil eines Kriegsgerichtes zu entlassen, und fügte hinzu, daß dadurch die Loyalität der niederen Offi­ziere beeinträchtigt werden könnte168). Die Bestrebungen Lamberts und seiner Freunde zeigen klar die wach­sende Entschlossenheit, die Unterordnung der militärischen unter die zivile Gewalt zu beseitigen. Diese Ambitionen müssen jedoch vor der durch sich immer mehr vergrößernde Soldrückstände in der Armee ent­standenen Unruhe und der allgemeinen Desintegration der „Common- wealth-party“ gesehen werden. Dennoch war der Bruch nicht ganz un­vermeidbar, wie die anfangs zahlreichen Vermittlungsversuche zeigen sollten 169). Die zwei Wochen nach der sogenannten „Derby-Petition“ waren durch einen Wettlauf der „Rumpfrepublikaner“ mit dem von Lambert ange­führten Teil der Offiziere um Verbündete gekennzeichnet. General Monk versicherte dem Parlament seine Loyalität und drückte sein Mißfallen über die Vorgangsweise des nach dem 23. September beratenden Offiziers­rates aus 17°). Die Mehrheit der Abgeordneten gab einer presbyterianischen Petition nach, die freie Wahlen für den Common Council verlangte m). Das Parlament revidierte den Beschluß, daß der Baptist John Ireton ein weiteres Jahr Bürgermeister bleiben solle, und der „gemäßigte“ Alderman Aleyne ersetzte ihn. Am 4. Oktober faßte das Haus den Beschluß, die Schulden an die Armee durch den Ertrag der „Sequestrationen“ und den Verkauf von Staatsgütern zu begleichen. Diese Versprechungen hatten nur propagandistischen Charakter, da ja die Ausschüsse zur Konfiskation des Besitzes der Rebellen so wenig zufriedenstellend arbeiteten 172). Am 10. Oktober beschloß das Parlament schließlich eine Deklaration über Religionsfreiheit, die das Verbot des anglikanischen Gottesdienstes be­seitigte 173). Insgesamt waren diese Beschlüsse darauf ausgerichtet, die konservative Mehrheit der Zivilbevölkerung zu gewinnen, und entfremde­ten daher die mit der Armee sympathisierenden radikalen Gruppierun­gen. Am 5. Oktober legte Oberst Desborough dem Parlament eine von 230 Offi­zieren der Armee Unterzeichnete Petition vor: Diese stellte eine wesent­lich größere Herausforderung als die „Derby-Petition“ dar. Nach einigen Floskeln über die Verpflichtungen der Armee gegenüber dem Parlament rechtfertigten die Unterzeichner die „Derby-Petition“. Zwei bedeutsame 167) Ranke Englische Geschichte 242 f. 168) Monks Kommentar bei Roots Rebellion 246. 169) Weinzierl Republikanische Politik Kap. 6. 17°) Clarke Papers 4 57—59. 171) CJ 7 788; Clarendon State Papers 4 394; vgl. BM 669 fol. 21 (77) The Petition of the Common Council of the City of London ... i«) CJ 7 791. i79) Ebenda 795.

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