Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)
WEINZIERL, Michael: Das Commonwealth vom Aufstand der Presbyterianer bis zum 2. Staatsstreich der Armee 1659
32 Michael Weinzierl Forderungen gingen wesentlich über die vorhergehende Bittschrift hinaus: Parlamentsmitglieder, die die Armee in verantwortungsloser Weise kritisierten, sollten zur Rechenschaft gezogen werden und das Recht der Ernennung von Offizieren in die alleinige Zuständigkeit des Ernennungsausschusses fallen; schließlich sollten Armeeangehörige nur von einem Kriegsgericht entlassen werden können 174). Das Parlament beschloß, die Forderungen im Detail ab dem 8. Oktober zu diskutieren 176). Bezüglich der Forderung nach Einschränkung der Rede- und Informationsfreiheit im Parlament wahrte das Haus seine Rechte. Es wurde folgende Resolution beschlossen: „It is the duty of all persons, especially of members of Parliament, to inform the House of anything which in their apprehension may concern the public safety and it is the undoubted right of the Parliament to receive and debate those informations and to resolve what they think fit thereupon“ 176). Die Frage der Entlassung von Offizieren wurde nicht mehr im Plenum debattiert, denn am 12. Oktober wurde ein Rundschreiben, das Lambert und acht seiner engsten Freunde im Offizierskorps an Oberst Okey gerichtet hatten, verlesen. In diesem Brief befand sich die Aufforderung, die Petition zu unterzeichnen. Auch andere gegenüber dem Parlament loyale Offiziere erhielten Rundschreiben 177 * *). Unter dem Eindruck, daß dies ein Zeichen für die Absicht sei, das Parlament gewaltsam aufzulösen, verabschiedete dieses ein Gesetz, das Steuereintreibung ohne Parlamentsbeschlüsse zum Hochverrat erklärte und die Gültigkeit aller während des Protektorates erlassenen Gesetze widerrief 17S). Fleetwood wurde seines Amtes enthoben und der Oberbefehl der Armee einer aus sieben Mitgliedern bestehenden Kommission übertragen. Dieser gehörten Fleetwood, Ludlow, Monk, Hesilrige und die Obersten Walton und Morley an 170). Lambert und die acht anderen Offiziere, die den Brief an Okey unterzeichnet hatten, wurden entlassen. Die Parlamentarier scheinen sich der Gefahr, die ein derartiges Vorgehen hervorrief, zumindest teilweise bewußt gewesen zu sein: Die „Commissioners“ der Armee befahlen drei Regimentern, das Parlament zu bewachen; Zeitungen meldeten, daß die Kommission die ganze Nacht getagt habe 180). Während dieses Tages begann die Garde des Parlaments zu den von Lambert illegal versammelten Truppen überzulaufen, die die Zugangsstraßen zum Parlament verriegelten. Die anderen Truppenabteilungen folgten teilweise dem Beispiel der Garde. Gegen Abend befahl der Staats174) Zusammenfassung der neun Punkte der Edition u. a. in Weekly Intel- ligender 23 (4,—11. 10. 1659) 178. 175) Whitelocke Memorials 685 f. ”«) Weekly Post (1659) 195. 177) State Papers of John Turloe Esq., ed. by Thomas Birch 7 (London 1742) 755. i«) CJ 7 796. i™) Ebenda 797. 780) Davies Restoration 151 f.