Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

WEINZIERL, Michael: Das Commonwealth vom Aufstand der Presbyterianer bis zum 2. Staatsstreich der Armee 1659

30 Michael Weinzierl Gegensatz zu den im Herbst ihre letzte Blütezeit erreichenden millena­rischen Tendenzen162). Als Übergangslösung sahen sie die Verpflichtung aller Mitglieder des Rumpfes, ihr Mandat auszuüben, und Nachwah­len an 163). Vane und seine Anhänger befürworteten Reformen wie die Abschaffung der tithes. Sie nahmen die alte Forderung der Radikalen wieder auf, daß gewisse „Fundamentals“ der Autorität des Parlamentes entzogen wer­den müßten. Wariston berichtet von der entscheidenden Staatsratsitzung: „I found at council some asserting the Parliament’s absolute authority, some that it was limited not to be prejudicial to the cause“ 164). Die Berufung auf „Grundsätze der guten alten Sache“ war in ihrer Un­bestimmtheit eine Wiederaufnahme der Theorien, mit denen die Inde­pendenten 1647—1649 die Armee als Instrument der Umgestaltung der Gesellschaft gegen die Mehrheit des Langen Parlaments benutzt hatten. Die Anhänger dieser Auffassungen bestanden aus der Mehrheit der Ar­mee in England und den Mitgliedern der Kongregationalisten- und Sekten­gemeinden. Schon im Mai hatten die Leveller die Beziehungen zwischen Parlament und Volk folgendermaßen gesehen: „But we are to remember, this was onely a power and trust (which is ever revocable and cannot be otherwise) and to be employed to no other end than our own well-being“ 165 166). Im September forderte eine Gruppe, die prominente Vertreter von Sekten und Levellern repräsentierte, die , Qualifikation und Einschränkung' der Gesetzgebung ,nach Gottes Willen', die dann weitgehende Reformen der Gesetze und die Abschaffung des Staatskirchentums vornehmen sollte 16e). Die Allianz von Millenariern, Anhängern einer Vertragstheorie des Ge­meinwesens, sowie Opportunisten konnte zwar die Auflösung des Rumpfes bewirken, aber selbst kein gemeinsames Alternativmodell einer Reprä­sentativverfassung erarbeiten. Die Anhänger Lamberts in der Armee verfolgten naheliegendere, aber unpopuläre Ziele. Ranke schildert in einer Monk teilweise paraphrasie- renden Passage die Ziele dieser Gruppe folgendermaßen: „Fast wie eine selbständige Korporation will sie sich so viel wie möglich selbstergänzen, sich gegen jeden Eingriff in ihre innere Verfassung sicherstellen, alle An­klagen, die gegen ihre Führer erhoben werden können, im voraus ab­162) Guizot Richard Cromwell 474 passim. 163) Wariston Diary 3 130. 164) Ebenda 145. Tithes: Abgabe zur Finanzierung der Staatskirche, ent­spricht etwa dem Zehent; vgl. M. J a m e s The Political Importance of the Tithes Controversy in History 26 (1941) 1—18. 165) BM E 983 (29) [a n o n.] An Observation and Comparison 4. 166) BM 669 fol. 21 (74) An Essay towards Settlement; Unterschriften u. a. von John Owen (vermutlich Fälschung), Allen (Leveller), Overton (Fifth Monarchy-Man und Gouverneur von Hull).

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