Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)
WEINZIERL, Michael: Das Commonwealth vom Aufstand der Presbyterianer bis zum 2. Staatsstreich der Armee 1659
Das Commonwealth 1659 25 entstanden 134). Die Befürworter dieser Untersuchung hatten dem Commonwealth kaum genützt, denn das Vorgehen gegen den wahrscheinlich unschuldigen Ashley-Cooper dürfte ihm seinen sehr späten, aber dafür geschickten Übergang ins Lager der Royalisten erleichtert haben. Die ungeheuerlichen großen Enteignungen“, die der venezianische Botschafter neben ,vielen Galgen“ vorausgesehen hatte135), fanden zum Leidwesen der Republikaner nur in sehr begrenztem Umfang statt. Die lokalen Ausschüsse zur „Sequestration“ besaßen lediglich die Vollmacht, den Besitz der Aufständischen und anderer aktiver Royalisten zu beschlagnahmen, aber nicht zu verkaufen oder zu verpachten; dadurch verzögerten die Gesetzgeber selbst ihr Ziel, möglichst rasch durch diese Konfiskationen die finanzielle Lage des Staates zu verbessern. Denn das Parlament konnte nur versuchen, die Enteigungskomitees, die in der Bürgerkriegszeit eingerichtet worden waren und nach dieser umständlichen Verfahrensweise vorgingen, zu reaktivieren 136). Ein Großteil der Gentry hatte sich an den Aufständen zwar nicht beteiligt, aber insgeheim mit diesen sympathisiert. Daher erwies es sich in vielen Grafschaften als unmöglich, eine ausreichende Anzahl von Mitgliedern für die „Committees for Sequestrations“ zu finden. Zwei (!) Kommissionsmitglieder mußten als ausreichend für die Beschlußfähigkeit angesehen werden 137). Nach der Bekanntgabe des Sieges über Booth beantragte Fleetwood, Lambert zum Generalmajor zu befördern. Ludlow berichtet, daß Hesilrige und seine Gruppe als Gegner dieses Vorschlages bekannt gewesen seien und der Oberkommandierende einen Bruch zwischen Parlament und Armee provozieren wollte 138). Seine Schilderung der Reaktion der „ Rumpfrepubli- kaner“ klärt die Motive der Ablehnung: „Sir Arthur Hesilrige well knowing that in a free Commonwealth no man ought to be trusted with too great power, and especially such as had made very ill use of it before, prevailed with the Parliament to declare that they would not create any more general officers than those that were so already“ 139). Offenbar befürchtete die Mehrheit des Rumpfes, daß Lambert nach dem Vorbild Oliver Cromwells als Stellvertreter des politisch unprofilierten Oberkommandierenden de facto die politische Führung der Armee übernehmen wolle, die dann wieder das Parlament auflösen würde. Die Wiedererrichtung des Protektorates scheint jedoch eher eine imaginäre Angstvorstellung Hesilriges und seiner Anhänger als das Ziel der Gruppe um Lambert gewesen zu sein; doch erklären die Unabhängigkeitsbestrebungen der Armeeführer vom Parlament diesbezügliche Vermutungen und Über134) Ludlow Memoirs 2 116. ««) CSVP 32 62 f. 13e) Calendar of the Committee of Compounding with Delinquents, ed. by Mary E. Green (London 1889) XXXV; D a v i e s Restoration 141. i37) CJ 7 773. 135) Ludlow Memoirs 2 114 f. 139) Ebenda 115.