Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

WEINZIERL, Michael: Das Commonwealth vom Aufstand der Presbyterianer bis zum 2. Staatsstreich der Armee 1659

26 Michael Weinzierl treibungen140). Audi während der Monate Juli und August hatte das „grand committee“ zur Ausarbeitung einer neuen republikanischen Ver­fassung regelmäßig getagt; nach der Niederschlagung der Revolte wandte sich das Interesse von Staatsrat, Parlament und Öffentlichkeit wieder ver­stärkt diesen grundsätzlichen Problemen zu. Am 3. September beschloß der Rumpf einen neuen Amtseid für alle Milizoffiziere und Parlamen­tarier, der folgendermaßen lautete: „I ... declare that I do renounce the pretended title of Charles Stuart, and the whole line of the late King James, and of every other person pretending to the government ... And that I will by the Grace of God be true, faithful and constant to this Commonwealth, against any King, single person, House of Peers“ 141). Hesilrige und Vane gerieten über diesen Eid so in Streit, ,daß sie fast ge­platzt wären'142). Wariston beschreibt ein ,heißes Wortgefecht' zwischen den beiden Politikern. Der spezifische Hintergrund der Auseinandersetzung der beiden Staatsmänner ist leider unbekannt14S). Vanes Staatsauffassung zwischen 1656 und 1662 schwankte zwischen millenarischen Konstruktionen und einem Konstitutionalismus, dessen Grundlage die Parlamentssouverä­nität darstellte und den unter dieser Voraussetzung möglichen Staatsfor­men geringere Bedeutung beimaß 144). Er hatte als erster im Bürgerkrieg die Einrichtung einer Wahlmonarchie vorgeschlagen, und es erscheint möglich, daß er diesen Weg als Notlösung offen lassen wollte; dieses Motiv erklärt sicherlich die Haltung Whitelockes und anderer Juristen, die bereits 1647 die Einsetzung eines Verwandten des später hingerichteten Königs, der drastische Beschränkungen der Prärogative akzeptieren sollte, vorgeschlagen hatten. Plausibler erscheint, daß Vane eine massenhafte Amtsenthebung von Quäkern, die er förderte, befürchtete, denn bereits seit 1655 wurden Amtseide zur Verfolgung von Quäkern benützt145). Am 8. September wurde, da das „grand committee" zu keiner Einigung über die Verfassungsfrage gelangt war, ein aus 30 Mitgliedern bestehen­der Ausschuß gebildet, der dem Plenum bis zum 10. Oktober einen Vor­schlag für die Verfassungsregelung des Commonwealth unterbreiten sollte; in diesem Gremium waren alle Gruppen vertreten; doch deutet die starke Präsenz von Juristen und Whitelockes Funktion als inoffizieller Sekretär des Komitees auf eine Verstärkung des Einflusses der „ge- mäßigt“-konservativen Kräfte hin. Andererseits erhielt der Ausschuß in vager Form den Auftrag, die Anwendbarkeit der Verfassungsvorschläge von 1648—1649 zu prüfen 14G). Eine Gruppe dürfte daher die Annahme des i«) Woolrych Settlement in Aylmer Interregnum 199. 141) pro SP 25/91 fol. 75. i«) CSPD 48 207; CJ 7 774. 143) Wariston Diary 3 134. 144) vgl. R o w e Sir Henry Vane 236 ff. 145) George Fox Journal (London 81968) 116—144. i«) CJ 7 775.

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