Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)
WEINZIERL, Michael: Das Commonwealth vom Aufstand der Presbyterianer bis zum 2. Staatsstreich der Armee 1659
24 Michael Weinzierl Ehrenwortes, sich nicht gegen die Regierung zu betätigen, freigelassen 128); allerdings forderte der Staatsrat meist eine hohe Kaution, die zum Beispiel für einen Lehrling 300, für einen Pastor bereits 1.000 Pfund betrug 129). Die Ereignisse der nächsten Monate bewirkten, daß keiner der Prozesse gegen die Verschwörer beendet wurde. Die Vorgangs weise des vielgeschmähten „fanatischen“ Rumpfes in diesen Hodiverratsfällen unterscheidet sich in positiver Hinsicht von ähnlichen Fällen unter der Herrschaft Cromwells oder Karls II. Alle Historiker, mit der Ausnahme Guizots, die sich mit „Booth’s Rising“ auseinandersetzten, führen das Verhalten der maßgeblichen Gruppe des Parlaments hauptsächlich auf die geringe Stabilität des Regimes zurück, die einen baldigen gewaltsamen Regierungswechsel wahrscheinlich erscheinen ließ 13°). Doch verbreitete sich damals die Auffassung, daß nur eine auf Versöhnung bedachte Politik nach achtzehn Jahren oft gewaltsamer Konflikte eine politische und soziale Konsolidierung ermöglichen könnte. Die in so vielen Pamphleten beschworene Herrschaft der Gesetze beeinflußte das Verhalten der Commonwealthmen auch gegenüber ihren politischen Gegnern. Während der Untersuchungen geriet auch der Staatsrat Sir Anthony Ashley-Cooper, der spätere Whigführer Lord Shaftesbury, in Verdacht. Dieser hatte einen Brief Booths erhalten und folgendes geäußert: „He knew Sir G. Booth when they were Parliament men together and was sorry that he had undertaken the present business; also that he was a Presbyterian and accounted an honest man and reported 5.000 strong“ i3i). Ein eigener Ausschuß des Staatsrates, der aus fast allen einflußreichen Mitgliedern bestand, untersuchte die Anschuldigungen 132). Am 14. September erstattete das Komitee folgenden etwas zweideutigen Bericht: „It doth not appear to them that there is any just ground of jealousy and imputation upon him“ 133). Obwohl Cooper weiter einige Monate Hesilriges Gruppe angehörte, war bei einigen Republikanern bleibendes Mißtrauen iss) pro SP 25/98 fol. 161, 211 passim. 128) CSPD 48 211; BL MS. Clarendon 63 fol. 279; 64 fol. 70—73. 130) Davies Restoration 141. isi) Clarendon State Papers 4 348; vgl. Haley Shaftesbury 115. Haleys Darstellung der Rolle Shaftesburys in diesen Jahren läßt, im Gegensatz zur Darstellung seiner späteren Karriere, Details vermissen; dies mag auch an der Quellenlage liegen. — Anthony Ashley Cooper, erster Earl of Shaftesbury (1621—1683), stammte aus einer reichen Gentryfamilie in Dorsetshire; in Oxford ausgebildeter Jurist, war Cooper bis 1644 Royalist, später Parlamentsanhänger. Bis 1656 war er Cromwells Anhänger, dann Republikaner, Sprecher der Opposition in Oliver und Richard Cromwells Parlamenten. Mitglied des Council of State des restaurierten Rumpfes und Gegner der Armee, schloß er sich im Frühjahr 1660 den Royalisten an. 1679—1683 Anführer der Whigs während der Exclusion-Crisis, 1683 Tod im holländischen Exil. 132) PRO SP 25/79 fol. 446. 133) CJ 7 116.