Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

LAUBACH, Ernst: Karl V., Ferdinand I. und die Nachfolge im Reich

Karl V., Ferdinand I. und die Nachfolge im Reich 47 zu tun. Die Motive, die Ferdinand seinen Widerstand aufgeben ließen, sind undeutlich geblieben. Man braucht aber nicht bis zu der Annahme zu gehen, er habe seine Zusage letztlich mala fide gemacht, weil er von einigen Kurfürsten geheime Zusicherungen besessen hätte, sie würden an dem Projekt nicht mitwirken233 234 23S). Dafür fehlen schlüssige Beweise. Die in Augsburg kolportierten Äußerungen von Kurfürsten, man habe kein Interesse an einer Fortsetzung oder Wiederkehr des „spanischen Regi­ments“ und werde Philipp nicht wählen, dürften auch der kaiserlichen Seite nicht verborgen geblieben sein 234). Die Gesandten aber, die diese Sprüche überliefert haben, erörterten andererseits mehrmals, wie die Mehrzahl der Kurfürsten dem Kaiser so sehr verpflichtet sei, daß er gute Aussichten habe, seine Wünsche zu verwirklichen 235). Den Nachweis, daß Ferdinand in seinen Einwänden die Situation richtiger eingeschätzt hatte, erbrachte die von Karl durchgesetzte Probe. Aus den wenigen erhaltenen Verhandlungsunterlagen und dem Wort­laut der Verträge ist noch Ferdinands Bemühen zu erkennen — da er das leidige Projekt endlich akzeptieren mußte, wenn er nicht einen Bruch im Hause Habsburg riskieren wollte 236) —, die mit der Erhöhung Phi­lipps verbundenen Präjudizien in möglichst engen Grenzen und potentiel­le Beeinträchtigungen der eigenen Stellung als Kaiser hintan zu halten. Die meisten Punkte, deren Verankerung im Familien vertrag er wünschte und die Karl als Selbstverständlichkeiten bezeichnete 237 238), zielen darauf, Philipp fest zu binden, seinen Onkel bei der Verfolgung der spezifisch kaiserlichen Aufgaben wirksam zu unterstützen. Ferdinand verlangte Zu­sagen hinsichtlich des Konzils oder sonstiger Schritte zur Wiederherstel­lung der Glaubenseinheit, der Türkenabwehr und für den Fall von Re­bellion in Reich oder Erblanden. Doch mußte er die Einschränkung hin­nehmen, daß Philipps Verpflichtung nur bei vorheriger Erfüllung der Hauptpunkte gelten sollte, weil er Freiheit haben müsse, den Interessen seiner Länder zu folgen, wenn er nicht am Reich beteiligt würde 23S). Das 233) So Sold an Succession 1 34; Witter Beziehungen 39; Fernandez Alvarez Politica mundial 136, 140; Jane de J o n g h Mary of Hungary, second regent of the Nederlands (London 1959) 241. Auch R a s s o w Forschungen 303 deutet das an. 234) Solche Meldungen in Beiträge 1 582; VD 2 452 f, 475 Anm, 478 ff, 490 if, 509; S o 1 d a n Succession 1 31 Anm. 2. 235) VD 2 452 f, 457 ff, 478 ff; Bericht Pighinos (wie Anm. 214). 233) Der auf Ferdinand ausgeübte Druck wird deutlich aus Karls Brief an Maria, 1550 Dezember 16: „... et luy dis davantaige que javois dis, que japper- chevoye bien, quil vouloit rompre avec moy sur ce point [d. i. die Türken­hilfe] avec peu de volonte de traicter sur laultre, de ce que convenoit pour establir noz maisons, et pour lequel nous avions faict venir mondt. beaufilz...“ (L a n z Correspondenz 3 18). 237) Dazu Beiträge 3 177 f (Ferdinands Forderungen) und 180—183 (Karls Stellungnahme). 238) „... iis se sont promis et promectent que moyennant l’accomplissement de ce que dessus a este capitule, ilz s’aideront et assisteront recicproquement..

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