Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

Zur publizistischen Auswertung des österreichisch-jugoslawischen Archivabkommens. Eine Erklärung der Generaldirektion des Österreichischen Staatsarchivs

526 Literaturberichte Peter Csendes Wien in den Fehden der Jahre 1461—1463 (Militärhistorische Schriftenreihe 28). Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst, Wien 1974. 40 S., 2 Karten, 1 Abb. Es war naheliegend, die Kämpfe der Jahre 1461 bis 1463 in und um Wien mit dem Höhepunkt der Belagerung des Kaisers in der Wiener Burg in die Militärhistorische Schriftenreihe aufzunehmen. Die Ereignisse sind dramatisch und in mehrfacher Hinsicht interessant; auch sind sie schon lange nicht mehr ausführlich behandelt worden. C. hat in Heft 28 der erwähnten Reihe eine sehr ansprechende Darstellung der Wiener Feh­den geliefert. Nach einer kurzen Einleitung zur Skizzierung des Hinter­grunds kommt er in seinem 3. Abschnitt „Der Wiener Bürger Wehr und Waffen“ — der Ausrichtung der Reihe gemäß — zunächst auf die militärische Organisation der Stadt zu sprechen. Es folgt die einge­hende chronologische Schilderung der Ereignisse, beginnend mit dem er­sten Angriff Herzog Albrechts VI. auf Wien im Sommer 1461 bis zu des­sen plötzlichem Tod im Dezember 1463. C. hat seine Quellen und die bis­herige Literatur sorgfältig durchstudiert. Wenn er nun etwa abweichende Angaben kritisch gegeneinander abwägt, geht es ihm vor allem um die Klärung topographischer und chronologischer Fragen, wie z. B. den tat­sächlichen Beginn der Belagerung der Wiener Burg oder die Lokalisie­rung des Hauses von Veit Ebersdorf, wo die Wiener eine Hauptbüchse in Stellung brachten, um die Burg zu beschießen. Man wird C. hier umso leichter in allen Punkten folgen, als er trotz der auferlegten Kürze im An­merkungsapparat stets die nötigen Hinweise und Begründungen gibt. Besonders zu begrüßen sind die beiden Übersichtspläne, die sich als An­hang IV und V am Ende des Heftes finden. Sie tragen sehr viel dazu bei, daß die Darstellung anschaulich wird. Der Anschaulichkeit dienen auch die vielen konkreten Details, die C. bietet, betreffend die Stärke der Truppen, Art der Kampfhandlungen, Höhe der Schäden und Verluste und dgl. Auch hier setzt sich C. wieder kritisch mit den Quellen auseinander und reduziert z. B. Übertreibungen Beheims in seinem Buch von den Wienern auf das richtige Maß. Andererseits dient ihm Beheims Augenzeugenbe­richt an vielen Stellen zur Verlebendigung und Illustration des Gesche­hens, und so vermißt man auch nicht die bekannten anekdotischen De­tails. Ohne Zweifel liegen die Stärken der Arbeit in ihrer Übersichtlichkeit und der gewissenhaften Klärung der Details. Darüber hinaus bemüht sich C. auch um eine psychologische Motivierung des Geschehens, wobei es ihm gelingt, vor allem der Gestalt des Wiener Bürgermeisters Wolfgang Holzer Profil zu geben. In den letzten drei Abschnitten geht es ja im wesentlichen um Holzers Parteiwechsel und Untergang. In der Kurzbiographie Holzers im Anhang geht C. dann noch genauer auf das Problem seiner Herkunft und den Beginn seines politischen Engagements ein. Zur Gestalt Holzers in der Literatur wäre nur der Roman von Emil Scholl Der Roßtäuscher (2 Bde, München 1920) nachzutragen. Weniger überzeugend scheint der Gegensatz zwischen dem Kaiser und sei­nem Bruder Albrecht VI. herausgearbeitet. Ihre beiden Kurzbiographien im Anhang mit auch anderweitig leicht nachzulesenden Angaben hätten

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