Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

Zur publizistischen Auswertung des österreichisch-jugoslawischen Archivabkommens. Eine Erklärung der Generaldirektion des Österreichischen Staatsarchivs

Literaturberichte 527 vielleicht überhaupt wegbleiben können zugunsten einer etwas breiteren Schilderung des Hintergrunds; die Grenzen der Darstellung sind nämlich so eng gezogen, daß C. sich fast gänzlich auf den österreichischen Raum beschränken muß. Es ist ihm somit unmöglich, die Ereignisse in Wien in die zugehörigen größeren Zusammenhänge zu stellen, obwohl sie um vieles plausibler erscheinen, wenn auch Ungarn und Böhmen in die Be­trachtung einbezogen werden. Es hätte auf die ungarische Thronfrage hingewiesen werden können, die Erwähnung der Kündigung der Kom- paktaten durch Pius II. im März 1462 hätte erklärt, warum Georg Podie- brad über den Kaiser die „Annäherung an die Kurie“ (S. 18) suchen mußte und sich also bereit fand, ein Entsatzheer nach Wien zu schicken. Einmal bedingt die gedrängte Darstellung auch eine fragwürdige Formulierung: Wenn C. (S. 2) von den „Einmischungen Albrechts in mährische Ange­legenheiten“ schreibt, dann urteilt er wohl aus der Sicht König Georgs; Albrecht hingegen glaubte hier Erbansprüche verteidigen zu müssen. An­dererseits wird recht ausführlich auf wirtschaftliche Faktoren eingegangen und gezeigt, wie wesentlich sie die Politik der Stadt bestimmten; auch auf verfassungsrechtliche Fragen wird angespielt, doch wäre der fachfremde Leser hier schon wieder für gelegentliche größere Ausführlichkeit dank­bar. Bei einem so eng begrenzten Rahmen ist es freilich nur allzu leicht, auf Auslassungen hinzuweisen. Was vor allem zählt, ist aber doch, daß hier eine gediegene und sicher auch für einen größeren Leserkreis in­teressante und instruktive Darstellung der Wiener Fehden gelungen ist. Brigitte Haller-Reiffenstein (Wien) Hermann Wiesflecker Kaiser Maximilian 1. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit. Band 2: Reichsreform und Kaiserpolitik. 1493—1500. Entmachtung des Königs im Reich und in Europa. Verlag für Ge­schichte und Politik, Wien, und R. Oldenbourg, München 1975. XVII, 574 S., 2 Karten, 13 Abb. In außerordentlich kurzer Zeit nach Erscheinen des ersten Bandes (vgl. MÖStA 26 [1973] 535—540) konnte der Vf. den zweiten Band seiner Maximilianbiographie vorlegen. Auf 418 Seiten Text, mit einem sehr rei­chen Anmerkungs-, Bibliographie- und Registerteil, wird nur ein knappes Jahrzehnt aus dem Leben Maximilians behandelt. In diese Zeit fallen je­doch viele wichtige europäische Ereignisse, von denen Maximilian betrof­fen war, die er auch mitgestaltete, ferner bedeutende Vorgänge im Reich und in den Erblanden. Durch die noch von Burgund herrührende Front­stellung gegen Frankreich motiviert, bringt Maximilian 1495 die spani­schen Heirats- und Bündnisverträge zustande, die um 1500 auf Grund einiger Todesfälle für das Haus Habsburg europäische Dimensionen über Jahrhunderte eröffnen. Der Feldzug Karls VIII. von Frankreich 1494 nach Neapel bringt die politische Konstellation Europas in Bewegung; die „Hei­lige Liga“ von Venedig (1495) leitet das europäische Bündnis- und Gleich­gewichtssystem ein, das für die ganze frühe Neuzeit bestimmend bleiben sollte; die Vielen verbünden sich gegen den, der zu mächtig zu werden droht. Die Auseinandersetzungen zwischen Maximilian und Frankreich

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