Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)
Zur publizistischen Auswertung des österreichisch-jugoslawischen Archivabkommens. Eine Erklärung der Generaldirektion des Österreichischen Staatsarchivs
Literaturberichte 519 in der Universalgeschichte, sondern darüber hinaus noch über anthropologische, biologische oder ökologische Kenntnisse verfügen müßte. Trotzdem sei versucht, die vorgebrachten Einwände an einigen konkreten Beispielen zu untermauern. Die Behauptungen zur Frühgeschichte etwa sind viel zu ungesichert, als daß man auf ihnen tragfähige Theorien errichten könnte. Das gilt für die angebliche Abstammung der Buschmänner vom Cro-Magnon-Men- schen (S. 51) ebenso wie für die Annahme, Innerasien sei das Herkunftsland von Ackerbau und Metallverarbeitung gewesen (S. 113 ff). S. 79 wird ein Zusammenhang zwischen dem auf 2181 v. Chr. datierten Zusammenbruch des Alten Reiches in Ägypten und einem klimabedingten Rückgang der Fruchtbarkeit des Deltas hergestellt. Abgesehen davon, daß das Ende des Alten Reiches üblicherweise mit 2260 v. Chr. angenommen wird (Ende der VI. Dynastie), sind die folgenden Wirren eher durch das Übergewicht der Lokalgewalten und einen Einfall fremder Völker ins Delta als durch klimatische Veränderungen bewirkt worden. Zwar hören wir hier wie beim Niedergang des Reiches von Ur auch von Hungersnöten und Mißernten; es ist aber nicht ganz klar, ob es sich dabei um die Folgen der politischen Mißstände oder deren Ursache handelt. Zu den zu Recht gern verwendeten Beispielen für die Einflüsse des Klimas auf den geschichtlichen Ablauf gehören Rom, China und die Wikinger (man vgl. zu Rom etwa die älteren Arbeiten von V. Simkhovitch im Political Science Quarterly 1916 oder von E. Huntington im Quarterly Journal of Economics 1917). Daß man sich aber auch hier vor einer zu monokausalen Betrachtungsweise hüten muß, zeigt das Beispiel der Mandschus, die unter ganz anderen klimatischen Bedingungen nach China einfielen als etwa die Mongolen. Es ist dann doch etwas zu einfach, in dem einen Fall eben einen Astronomischen Winter, im anderen einen Astronomischen Sommer dafür verantwortlich zu machen (S. 101 ff). Im Fall der Wikinger, deren klimabedingte Expansion gar nicht geleugnet werden soll, ist es wieder interessant zu beobachten, daß das erwähnte Buch von Claiborne im Gegensatz zu L. S. 182 günstigere Klimaverhältnisse für die Ursache hält. Die Sicherheit der Ergebnisse scheint auf dem Gebiet der Klimaforschung offenbar noch nicht sehr groß zu sein. L’s Buch besitzt die für die Arbeit des Nichtfachmanns typischen Vorzüge und Schwächen. Es bleibt sein Verdienst, auf die Bedeutung eines Gegenstandes hingewiesen zu haben, der, speziell im deutschen Sprach- raum, auch von Fachleuten oft übersehen wird. Für die Ausführung wäre aber eine engere Zusammenarbeit mit eben diesen Fachleuten nötig gewesen, die sich dann freilich dafür auch nicht zu gut sein dürften. Leopold Auer (Wien) Robert A. Kann Die Restauration als Phänomen in der Geschichte. Verlag Styria, Graz—Wien—Köln 1974. 458 S. Einer der bestechenden Vorzüge dieses Buchs ist seine klare Sprache. Autor und nicht zuletzt auch Übersetzerin (Margaret Kees) beweisen, daß es möglich ist, schwierige Begriffsklärungen zu geben und gedankliche