Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

NECK, Rudolf: Archivalienausstellungen und Zeitgeschichte. Archivarische Klarstellungen zu Manfried Rauchensteiners „Thesen zur Ausstellung des Österreichischen Staatsarchivs“

496 Archivberichte geäußert werden, der über die Interna der Archive völlig uninformiert ist; er wird mit solchen Vorschlägen bei den Archivaren nur ein bitteres Gefühl hinterlassen, wenn nicht gar blassen Neid erwecken, angesichts der unverhältnismäßig günstigeren Voraussetzungen, unter denen man offenbar in unserem Land in anderen Instituten an derartige Unterneh­men herangehen kann. Hier ist noch eine kurze Bemerkung zur Vorgeschichte der Ausstellung am Platz. Die alte ständige Ausstellung im Haus-, Hof- und Staatsarchiv wurde nach fast sieben Jahrzehnten im Frühjahr 1973 endgültig geschlos­sen. Der damalige Direktor des Hauses hat jahrelang darauf gedrängt, da schon zahlreiche Objekte, die vom Anfang an in der Ausstellung hin­gen, Abnützungserscheinungen aufwiesen, namentlich das Verblassen von Tinte und Farben. Eine ständige Archivausstellung ist in Hinkunft nicht mehr beabsichtigt, doch sollen jeweils aus gegebenen Anlässen Ausstel­lungen über Spezialthemen veranstaltet werden. Dabei ist man sich im klaren, daß für die Vorbereitung solcher kurz laufenden Ausstellungen noch weniger Zeit und Mittel zur Verfügung stehen und verantwortet werden können, als seinerzeit für die Dauerausstellungen. Es ist jedoch nicht so, wie Rauchensteiner (S. 436) schreibt, daß die Goldene Bulle und andere Zimelien des Archivs der Zeitgeschichte den Platz räumen muß­ten, sondern es konnte aus Gründen des Schutzes der Schriftdenkmale nicht mehr länger verantwortet werden, daß diese weiterhin einer Ab­nützung ausgesetzt werden. Soviel zur rein technischen Seite der Ausstellung. Die grundlegende Umstellung wurde auch zu einer Neugestaltung der Vitrinen benützt, im bescheidenen Rahmen freilich nur, da auch hier wieder Mittel, Zeit und Räumlichkeiten Grenzen setzten. Diese Arbeiten haben die inhaltliche Gestaltung insofern beeinflußt, als man sich zunächst entschloß, nur die Mittelvitrinen für den chronologischen Ablauf von 1918 bis 1955 zu be­nützen. Das Jahr des Staatsvertrags wurde als oberste Grenze genommen, weil es den Abschluß einer Entwicklung der österreichischen Geschichte bildet, deren Höhe- bzw. Tiefpunkt das Jahr 1934 manifestiert und nicht, wie Rauchensteiner als Vermutung (S. 437) unterstellt, weil die Ausstel­ler der Meinung waren, ohne Februar oder Juli hätte es keinen Staats­vertrag gegeben. Immerhin könnte man vielleicht fragen, ob Österreich ohne 1934 einen neuen Staatsvertrag überhaupt notwendig gehabt hätte. Die Exponate in den Seitenvitrinen sollten die chronologische Reihe er­gänzen. Sie sind ziemlich spät zur Auswahl gelangt, und es ist leider richtig, daß die Angaben dazu sowohl bei der Beschriftung in den Vitrinen selbst als auch im Katalog im allgemeinen ungenügend waren. Eine zusätzliche Schwierigkeit bestand darin, daß eine Änderung der Anord­nung der bereits befestigten Objekte in der Regel sehr schwierig, ja meist unmöglich war. Die Gestalter der Ausstellung waren daher immer wieder zu Improvisationen gezwungen; dies wird sich nach der Lage der Dinge auch bei künftigen Ausstellungen in den Räumlichkeiten am Mi- noritenplatz nicht ändern. Was die endgültige Auswahl der Exponate selbst betrifft, so ist hier nur festzustellen, daß sie gemeinsam und einvernehmlich durch den damaligen

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