Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

WINTER, Otto Friedrich: Personalunterlagen des Zweiten Weltkrieges im Kriegsarchiv

58 Otto Friedrich Winter noch nicht fertiggestellt. Dies gilt auch für die Herstellung einer durchge­henden alphabetischen Ordnung der Akten innerhalb der Registraturen der Vereinigten Wehr evidenzstellen (VWEST), die fast ausschließlich nicht so dringend benötigte Daten über Wehrdienstleistungen in der k.u.k. Armee und im (1.) österreichischen Bundesheer enthalten. Die Neuordnung der Familienunterhaltsakten ließ die bestehende regionale Gruppierung nach Landratsämtern - Bezirkshauptmannschaften bzw. in Wien zwei oder drei Bezirke umfassende Verwaltungskörper - bestehen, da eine durchgehende alphabetische Reihe zu unübersichtlich geworden wäre. Die Ordnungsarbeiten umfaßten also einerseits die Einreihung der Familien­unterhalts-Zahlkarten, eines Sonderbestandes Groß-Wien oder bei der Bear­beitung durch die Dienststelle entnommener, seinerzeit nicht mehr eingeleg­ter Einzelakten, andererseits bei Bezirken, die Zahlenregistraturen verwen­det hatten, die Herstellung alphabetischer Folgen, ferner die Neufaszikulie- rung, Verpackung mit festen Deckeln und Beschriftung. Die Aufstellung der ebenfalls alphabetisch durchgeordneten Karteien und der Faszikel erfolgte in der alphabetischen Folge nach Bundesländern, innerhalb dieser wieder nach Bezirken, in Wien nach der Nummernfolge25). Im Verlauf der Arbeiten stellte sich die Notwendigkeit heraus, aus Unterlagen in kleinem Format (Achtelbo­gen) eine eigene, alphabetisch geordnete Reihe zu bilden; im Jahre 1972 wurden in dieser Zentralkartei die Suchkarten diverser Wehrmeldeämter - darunter die erst 1971 als einzige Beweisgrundlage des westlichen Weinvier­tels erworbenen des Wehrmeldeamtes Hollabrunn die Personalkarteien der Sanitätsabteilung 17, der Heeresentlassungsstelle 2/XVII, des Luftwaffen­baubataillons XVII, der Demobilisierungsämter Deutschlandsberg und Kap­fenberg und andere Wehrmacht-Karteimittel vereinigt26). Eine weitere Gruppe der Personalunterlagen des 2. Weltkrieges sind in gebundener oder gehefteter Form erhaltene Standeslisten einzelner Wehrmacht-Dienststellen und -Einheiten, Besoldungsbücher der Heeresstandortverwaltung, Perso­nalverzeichnisse der „Arbeitsgaue“ XXXIII bis XXXVI, Wehrstammrollen oder Heimkehrerlisten zahlreicher Gemeinden, Listen der französischen Heimkehrer-Entlassungsstelle in Innsbruck und die Listen der russischen Heimkehrertransporte (Nummer 1 bis 75 aus der Zeit von September 1947 bis 1955.) Die Benützbarkeit dieser Unterlagen setzt neben auf sie verwei­25) Eine problemlose Auswertung ist also nur dann gegeben, wenn im Antrag An­gaben darüber vorliegen, ob Familienunterhalt bezogen wurde bzw. von welcher Stel­le. Noch weitergehende Angaben sind notwendig, wenn Übersiedlungen der Bezugsbe­rechtigten oder Sicherheitsverlegungen in weniger gefährdete Gebiete vorliegen, da dann ein neuer Akt angelegt bzw. „Räumungs-Familienunterhalt“ ausbezahlt wurde. — Den Familienunterhaltsakten kommt auch deshalb besonderer Wert zu, weil die von den Nachfolgestellen der Zweiten Republik an einkommenslose Angehörige von Kriegsgefangenen und Vermißten geleisteten Unterstützungen darin aufscheinen, so- daß sie meist bis zur Heimkehr bzw. bis zur Überleitung in ein Versorgungsverfahren bei den Landesinvalidenämtem geführt sind. 26) Vierteliahresberichte des Referats „Ordnungsarbeiten“: KA Rep. ZI. 22.469/72, 29.147/72.

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