Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

WINTER, Otto Friedrich: Personalunterlagen des Zweiten Weltkrieges im Kriegsarchiv

Personalunterlagen des Zweiten Weltkrieges 59 senden, exakten Angaben der Antragsteller die Anlage alphabetischer Na­mensverzeichnisse voraus, die derzeit erst von den Reichsarbeitsdienst-Listen - als oft einzige Beweisstücke für die Dienstleistung der hauptberuflich dem Arbeitsdienst Angehörigen - und von den französischen* 2 * 27) und russischen28) Heimkehrerverzeichnissen vorhegen. Ein nicht unerheblicher Teil der für die Ordnungsarbeiten seit 1966 zur Verfügung stehenden Zeit mußte zur Einord­nung jener Unterlagen verwendet werden, die infolge der Überlastung des Personals in den vorhergehenden Jahren bei zu bearbeitenden Akten, in der Registratur des Kriegsarchivs oder in diversen, zwecks späterer Einordnung angelegten „Ablagen“ liegen geblieben waren. Dieser kurze Überblick über die Ordnungstätigkeit muß für den Nachweis genügen, daß ungeachtet aller schier erdrückenden Schwierigkeiten im Bestand 2. Weltkrieg des Kriegsar­chivs der Großteil der Personalunterlagen, die über die militärische Dienst­leistung von Österreichern innerhalb des österreichischen Staatsgebietes er­halten geblieben sind, in einem benützbaren Zustand vereinigt werden konn­te. Zu den verbleibenden Aufgaben gehört neben der Fortsetzung der Ord- nungs- und Erschließungstätigkeit auch die Restaurierung der witterungsge­schädigten Dokumente, für die bisher nur durch Einlegen in Umschläge ge­sorgt werden konnte, ferner - wie schon erwähnt - die Ausscheidung aller nicht archivwürdigen Beilagen bzw. der nicht mit Eintragungen versehenen Blätter der Wehrstammbücher. Die Archivwürdigkeit des Bestandes an sich steht schon darum außer Zweifel, weil für die schon als Beweismittel heran­gezogenen Dokumente die dauernde Verwahrung verpflichtend ist. Darüber hinaus ist in ihm eine reichhaltige personengeschichtliche Quelle gegeben, aber auch ein wichtiger Beitrag zur Erforschung einer Epoche, für die in Österreich die schriftlichen Zeugnisse nicht sehr dicht gesät sind. 3. Personelle und organisatorische Regelungen, Abgrenzung der Zuständigkeiten, Zusammenarbeit mit anderen Stellen. Schon die eben geschilderte Übernahme, Aufstellung, Ordnung und Erschließung der Personalunterlagen des 2. Weltkrieges lassen erkennen, welch gewaltiger Ar­27) Diese Listen enthalten Namen von Heimkehrern aus den Bundesländern Bur­genland, Kärnten (mit Osttirol), Niederösterreich, Salzburg, Steiermark und Wien. Vgl. Vierteljahresberichte: KA Reg. ZI. 40.618/72. 2S) Die „Originale“ bestehen aus Maschinschrift-Durchschlägen in zyrillischer Schrift in schlechtem Erhaltungszustand. Die für die allgemeine Benützbarkeit und wegen der Schonung der Originale unumgängliche Transskription wurde unter Mit­wirkung aller Bediensteten des Kriegsarchivs, die das zyrillische Alphabet beherr­schen, in mehrjähriger Arbeit vorgenommen (vgl. Jahresberichte des Kriegsarchivs für die Jahre 1970 bis 1974). Trotzdem ist die Ermittlung bestimmter Heimkehrer nicht einfach, da fast jeder Transport die Insassen mehrerer Lager - innerhalb dieser jeweils nach dem zyrillischen Alphabet gereiht - umfaßt, wobei die Familiennamen und die Namen der Geburtsorte durch Verballhornungen verschiedenster Art bis zur Nicht- identifizierbarkeit entstellt sind. Aus diesem Grunde - aber auch aus Mangel an Ar­beitskräften - ist die Anlegung einer vollalphabetisierten Namenskartei zu diesem Be­stand nicht zu vertreten.

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