Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger
THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens
Acta Extera Caroli V. 411 reichert. Ein Name, der zwei- oder mehrmals auf einer Seite aufschien, wurde deshalb mit jeder Nennung geführt und durch ein beigesetztes Unter-Schlagwort näher spezifiziert („Frankreich-Bündnis der Eigenossen mit“). Maßgebend waren die originalen Schreibungen von Personen- und Ortsnamen, Verweise sorgten für die Auffindung der modernen Form. Ausstellungsorte wurden eigens als solche gekennzeichnet. Der Bearbeiter las zunächst die Abschrift durch und notierte jedes Registerwort am linken Rand, war jedoch verpflichtet, diese Marginalien sofort nach Ausfüllung des Indexzettels zu streichen, um nicht eine Verwechslung mit echten Korrekturen heraufzubeschwören. Bittner, verantwortlich für die Indexarbeit, fand die Lösung, bei fehlenden Seitenzahlen jedes Schlagwort an seine richtige Stelle zu bringen, mit Hilfe des „Indexzitates“, das auch rechts oben auf jede indizierte Kopie geschrieben wurde und aus Datum und Namen des Empfängers bestand. Unter einen waagrechten Bruchstrich setzte man die Seite der Abschrift, auf der das Schlagwort auftauchte: Teubler Andre 20 X 13 Witwile-I- 1 bedeutete also, daß Andre Teubler auf Seite 1 der Kopie eines Briefes an Witwiler vom 13. Oktober 1520 vorkam107). Jede auf diese Weise durchgearbeitete Abschrift wurde mit allen dazugehörigen Indexzetteln Bittner ausgehändigt, der nach einer Kontrolle die einheitliche alphabetische Ordnung schuf108). Die Arbeit wurde durch die Unmöglichkeit, sich nach fixen Seitenzahlen zu richten, und durch die Berücksichtigung der systematischen Schlagwörter erschwert. Trotzdem war sie in etwas mehr als drei Monaten fast zur Gänze bewerkstelligt109) - wiederum ist die Energie und der Eifer zu bewundern, die in einem Minimum an Zeit so nebenher auch noch die meisten englischen Überschriften entstehen ließen110). Mitte Juni 1922 meinte Bittner, im September den Druckauftrag erteilen zu können - das Erscheinungsdatum wurde mit Sommer 1923 anvisiert —, da als einziges größeres Manko nur die Eintragung der Literaturzitate ausständig war111). Ganz so rasch waren aber die letzten Hürden nicht genommen, im Januar 1923 hieß es zum zweiten Mal, man stünde mit Titelwörtern und Druckangaben knapp vor dem Abschluß 112). Vielleicht tut man heute, 50 Jahre später, gut daran, die Erfolgsmeldungen, die regelmäßig in den Mrs. Tyler übermittelten Tätigkeitsberich107) In den beiden Schubladen in der Allgemeinen Urkundenreihe, die bei der Frage nach den Acta Extera an Benützer ausgegeben wurden, lag der vollständige Index für den ersten Band. Siehe oben S. 391 f. 108) ZI. 357/1922. 109) Ebenda: Bittner gibt am 4. März 1922 die Richtlinien bekannt. Ad ZI. 872/1922: Der Arbeitsbericht an Mrs. Tyler von 1922 Juni 24 erwähnt, daß man sich mit dem Register dem Ende nähere. - Die Anweisungen Bittners wurden - wie man heute noch an den Abschriften überprüfen kann - durchwegs befolgt. Die Übersichtlichkeit wurde dadurch allerdings nicht gefördert und die Anforderungen an den Setzer wuchsen. 110) Ad ZI. 872/1922. Mit größter Wahrscheinlichkeit stammen die mit roter Tinte eingetragenen Überschriften von der Hand Lothar Groß’ (über ihn siehe Hüter Biographien 46-49). m) Ad ZI. 872/1922. 112) ZI. 39/1923.